
Trainer Ljubomir Vranjes verlängert bei der SG Flensburg-Handewitt bis 2017
Flensburg (we) Zwei Männer, gut im Schrot, bitten Ljubomir Vranjes zum Foto. Er ist die Freundlichkeit in Person, erfüllt diesen Wunsch und gewährt, weil das erste Bild verwackelt ist, ein zweites und drittes. Das Trio auf ein Foto zu bannen, erfordert Geschick. Die Vierschröter, die den Trainer flankieren, gehen wuchtig in die Knie. Vranjes trägt seinen Kopf dort, wo Riesen ihr Herz haben.
Ljubomir Vranjes ist 1,66 Meter groß, aber ein Riese des Handballsports. Damals in Nordhorn schon war er als Spielgestalter die dominierende Figur. Flensburg, ab 2006, nahm er nicht als Alterssitz. Der Stratege Vranjes litt zwar unter gesundheitlicher Abnutzung. Er spielte, wegen der geringen Körpergröße, auch kaum in der Abwehr, lernte dafür auf der Bank das Spiel zu lesen.
Vranjes wurde der ideale Trainer. Er ist es hier in Flensburg seit anderthalb Jahren. Nach der Entlassung Per Carlens musste Vranjes zunächst retten, was zu retten war. Die SG Flensburg-Handewitt erreichte 2011 den Europapokal der Pokalsieger. Dieser Pokal steht seit vorigen Freitag in der Campushalle, wohlgeschützt, doch die Zuschauer dürfen sich auch am Mittwoch vor dem Bundesliga-Heimausklang gegen Hannover-Burgdorf am Anblick der Trophäe erfreuen.
Die SG Flensburg-Handewitt hat das europäische Finale gegen den VfL Gummersbach gewonnen; hier gegen Hannover gibt es noch weniger Probleme. Nach dem 39:27 steht die Vizemeisterschaft der Fördestädter fest. Der zweite Platz ist nicht der des ersten Verlierers. Flensburg-Handewitt ist hinter dem unangreifbaren THW Kiel der Meister vom Rest. In der nächsten Saison darf die Spielgemeinschaft an der Champions League teilnehmen. "Ich bin sehr, sehr zufrieden mit dieser Mannschaft", sagt Ljubomir Vranjes, sich fast entschuldigend für die lobenden Worte, die er sonst selten gebraucht.
Schimpfen sieht man ihn auch nicht. Vranjes, 38, ist kein Tiger vor der Bank. Oft steht er still, manchmal setzt er sich, macht höflich Platz, als Thomas Mogensen mit seiner Zeitstrafe für eine Überbevölkerung sorgt. Die Fans feiern unverdrossen, nunmehr Torwart Andersson, der zwei Bälle nacheinander fängt. Sie begeistern sich ("Time to say Goodbye") für die abwandernden Lars Bastian, Tamas Mocsai und Viktor Szilagyi.
Vranjes spendeten sie Ovationen.
Der Trainer war vor dem Spiel allein durch den Spielertunnel gekommen, vom Hallensprecher begrüßt mit den Worten, sein Vertrag sei bis 2017 verlängert worden. Das ist eine Zeit, die mittlerweile auch im Handballsport die Unendlichkeit markiert. Die Bundesliga verschleißt ihre Trainer schon fast wie die Fußballer.
Die SG Flensburg-Handewitt muss also sehr überzeugt sein von den riesigen Fähigkeiten dieses kleinen Mannes, der von "Projekten" spricht und keine Müdigkeit kennt. "Ich habe Lust, Energie und Kraft und freue mich jetzt schon auf die nächste Saison", sagt Ljubomir Vranjes, der seinerseits ("Die SG war und ist mein Traumverein") ein uneingeschränktes Treuebekenntnis abgibt.
Der Mann, der seinen Kopf in einer Höhe trägt, wo andere ihr Herz haben, denkt auch mit dem Herzen.
Von: Wolfgang Ehlers
Diskutieren Sie über diesen Artikel