Dithmarscher LandeszeitungBrunsbütteler ZeitungDithmarscher KurierMarner Zeitung

28.01.2012 06:00 Uhr Albersdorf

Die Wiederauferstehung

Mit rührigem Umfeld und renommiertem Trainer will Ditmarsia Albersdorf die Fußballsparte beleben

Gelb-Schwarz in Schwarz-Weiß: 2004 hatte Ditmarsia Albersdorf, mit der "Ersten" im Bezirk unterwegs, sogar noch eine zweite Mannschaft - hier eine Szene aus dem 0:4 im B-Klassen-Duell beim TSV Friedrichskoog II. Genannt sind Ralf Trede und Rainer Hartmann. Foto: Jensen

Gelb-Schwarz in Schwarz-Weiß: 2004 hatte Ditmarsia Albersdorf, mit der "Ersten" im Bezirk unterwegs, sogar noch eine zweite Mannschaft - hier eine Szene aus dem 0:4 im B-Klassen-Duell beim TSV Friedrichskoog II. Genannt sind Ralf Trede und Rainer Hartmann. Foto: Jensen

(we) Ortsauswärts führt der Weg, Richtung Tellingstedt oder Bunsoh. Der Bahnübergang, eingleisig. Vorbei an einem kleinen Wald, das Ortsschild passierend, die Norderstraße hinunter. Hier endet der beleuchtete Bereich. Rechte Hand, vor den Tennisplätzen, bleibt es dunkel. Fußball führt in Albersdorf ein Schattendasein.

Das ist etwas merkwürdig für einen Zentralort von fast dreieinhalbtausend Einwohnern. Auch in Albersdorf gehört ein großes Rechteck mit zwei Toren und Lichtmasten unumstößlich zum Inventar einer Gemeinde, fast wie die Kirche.

Und plötzlich alles dunkel.

Heribert Heinecke hat als Kind in Marne mit dem Fußball begonnen. In der kleinen Sporthalle, wohin die Knaben bei schlechtem Wetter auswichen, war ein Spruch in geschwungener blauer Schrift an die weiße Wand gepinselt: "Elf Freunde müsst ihr sein, um Siege zu erringen."

Das ist fast sechs Jahrzehnte her. Elf Freunde hat der Banker, dessen passiver Teil der Altersteilzeit gerade beginnt, nicht vorgefunden, als er in seinem nunmehrigen Heimatort Vorsitzender des SV Ditmarsia wurde.

Vor zweieinhalb Jahren mussten Restbestände Albersdorfer Fußball-Herrlichkeit bei Merkur Hademarschen um Asyl bitten, und zwar bei dessen zweiter Mannschaft. Das sind nur zehn Kilometer, doch der Kanal liegt dazwischen. Die ohnehin geschwundene Albersdorfer Begeisterung nahm weiter ab. Für Heinecke war mit Beginn der laufenden Saison klar: "Die Spielgemeinschaft wird aufgelöst. Entweder wir schaffen es allein - oder es ist Schluss mit dem Fußball hier."

Heribert Heinecke steht einem Verein mit 20 Sparten vor. 920 Mitglieder zählt Ditmarsia Albersdorf, die Tendenz ist leicht steigend. Den meisten Ditmarsen könnte Fußball egal sein, doch eine funktionierende Fußball-Abteilung wäre hilfreich, um die Tausender-Marke zu knacken.

Der Vorsitzende allerdings kann sich nur am Rande um die Fußballer kümmern.

"Ich wäre froh, wenn sich der Vorstand bald ganz heraushalten könnte", sagt der Vereins-Chef. Zwei "Albersdorfer Urgesteine" (Heinecke) wollen ihm diesen Wunsch erfüllen. Sven Gebauer und Jörn Dethmann nehmen sich der Sache an und fanden einen, den man fast zwölf Jahre lang mit dem TSV 1892 Nordhastedt in Verbindung gebracht hat, mit einem C-Klassen-Verein allerdings nie: Ralf Rössner.

"Zurück zu den Wurzeln", nennt Rössner als Grund für sein Engagement. Der Berufssoldat - jetzt in Kiel, vorher unter anderem in der inzwischen aufgelösten Albersdorfer Kaserne stationiert, daher die Bekanntschaft mit Dethmann und Gebauer - hat den TSV Nordhastedt zum Verbandsligisten gemacht. Vorübergehend war der Klub die Nummer 2 im Kreis, hinter dem Heider SV.

Als Rössner dort anfing, spielte Nordhastedt nicht viel höher als Albersdorf in der nächsten Saison. "Ich habe an einem Abend einmal mit meiner Frau zusammengesessen", sagt Rössner, "und wir haben uns gefragt, was die schönsten Jahre beim TSV waren." Nicht die Aufstiege seien ins Zentrum der Erinnerung gerückt. "Die ersten vier Jahre, als oft ein paar Jungs vorbei kamen und wir auf der Terrasse gesessen haben, die waren die schönsten."

Leistungsfußball in Nordhastedt ist daran gewachsen.

Fünf oder sechs Albersdorfer, sagt Sven Gebauer, sind in der Spielgemeinschaft mit Merkur Hademarschen II aktiv. Gebauer, beruflich jetzt als Pädagoge engagiert, glaubt, dass aus dem Stand zehn bis zwölf Spieler, inbegriffen einige Altligisten, für Ditmarsia zu begeistern wären, wenn im April das erste Training angesetzt wird. "20 Spieler sind unser Ziel", sagt der Mit-Organisator, der auf einen Titel keinen Wert legt. "Vielleicht muss irgendwann jemand ,Obmann´ heißen. Das wäre mir auch egal."

Ralf Rössner ist 43. Er sei durch den Beruf geprägt und denke in klaren Strukturen. Er habe darüber hinaus christliche Wurzeln und glaube an die Kraft der Gemeinschaft.

Zielstrebigkeit und Gemeinsinn sind nicht die schlechtesten Voraussetzungen, um eine Mannschaft aufzubauen.

3464 Einwohner, darunter müssten sich schon rein statistisch genügend Fußballer befinden, um mindestens eine Mannschaft stellen zu können. Diese begeisterten Albersdorfer gibt es auch. Sie spielen in Offenbüttel, Nordhastedt, Meldorf oder sonstwo. "Wir werden keinen gezielt abwerben", sagt Ralf Rössner. "Aber wenn ein Albersdorfer bei uns spielen will: Herzlich willkommen!"

Ein funktionierendes Vereinsleben will das Quartett bieten. Viel mehr noch nicht, denn der sportliche Reiz muss erst noch geschaffen werden. Der SV Ditmarsia wird wohl in der Kreisklasse C beginnen. In die Spielgemeinschaft mit Merkur Hademarschen II ist Ditmarsia 2009 als A-Klassen-Absteiger und damit höherklassige SG-Partei eingestiegen. Entsprechend dürfen die Ditmarsen, sofern die jetzige Spielgemeinschaft Hademarschen II/Albersdorf die Klasse hält, in der Kreisklasse C beginnen. Heribert Heinecke hat das schriftlich.

C-Klasse mit Rössner?

Das kann dann nur ein Langzeitprojekt sein. Jedoch nicht als Kopie von Nordhastedt sieht der Trainer sein Engagement. "Man kann nichts kopieren." Er fordert noch nicht einmal den Aufstieg im ersten Jahr - "selbst wenn wir Spieler hätten, für die die C-Klasse zu niedrig ist." Sven Gebauer ergänzt, dass Identifikation und Wir-Gefühl den absoluten Vorrang genießen. "Die ersten zwei Jahre werden wir viel arbeiten müssen. Vielleicht wird es dann einfacher."

Albersdorf. Fußball. Die Wiederauferstehung. Im April soll es losgehen, wenn man kein Kunstlicht braucht, um trainieren zu können.

Aber der Herbst wird wieder kommen. Wenn man dann ortsauswärts fährt, über die Bahnschienen, am Wald vorbei, rechte Hand - dann sollen sich donnerstags unter dem Licht nicht wenige Gestalten tummeln.

Das wird man sehen.

 

Von: Wolfgang Ehlers

Diskutieren Sie über diesen Artikel

(doch nicht)

Schriftgröße



E-Paper


Leserumfrage