Dithmarscher LandeszeitungBrunsbütteler ZeitungDithmarscher KurierMarner Zeitung

14.01.2012 06:00 Uhr Gudendorf

Merkwürdiger Hortensien-Klau

Auf Gudendorfer Anwesen jede Menge junge Pflanzentriebe entwendet

Erika Heuer versteht die Welt nicht mehr: Aus allen Hortensienpflanzen im Vorgarten ihres Elternhauses wurden junge Triebe herausgeschnitten.  Foto: Groll

Erika Heuer versteht die Welt nicht mehr: Aus allen Hortensienpflanzen im Vorgarten ihres Elternhauses wurden junge Triebe herausgeschnitten. Foto: Groll

- Es sieht aus wie die saubere Arbeit eines Fachmannes. Aber einen solchen hatte die Mutter von Erika Heuer weder beauftragt, noch hätte ein versierter Gärtner aus den Hortensienpflanzen Triebe mit den Blütenansätzen aus dem Vorjahr heraus geschnitten. Denn so ist es vorbei mit der beliebten Blütenpracht. Dreiste Diebe waren am Werk. Und es ist nicht der erste Hortensien-Klau auf dem Anwesen an der kleinen Gudendorfer Seitenstraße.

"Vorigen Sommer hatten ich an meinen fünf Pflanzen gerade einmal zwei Blüten", schimpft die betagte Pflanzenbesitzerin, die weder ihren Namen noch ihre Adresse in der Zeitung lesen möchte. Auf eine Anzeige bei der Polizei verzichtet sie aber auch dieses Mal. Das habe doch gar keinen Zweck. Niemand habe etwas bemerkt, kein Nachbar etwas gesehen oder gehört, erzählt die Rentnerin von ihren Recherchen, nachdem sie den Schaden entdeckt hatte. An ihre Heimatzeitung wandte sie sich nun, um andere Pflanzenliebhaber zu warnen, gut auf ihre Hortensien zu achten.

Tochter Erika Heuer würde gerne eine Überwachungskamera anbringen. Denn dieser dreiste Diebstahl müsse so oder so bei Lichte geschehen sein. Entweder am hellichten Tag oder im Schein der Außenbeleuchtung, die von einem Bewegungsmelder in Gang gesetzt wird. Obendrein sei die Stelle vom Nachbarhaus und von der Straße aus gut zu sehen.

"Als ich vor ein paar Jahren Nachbarn von den ersten gestohlenen Trieben erzählte, wollten sie es gar nicht glauben, meinten sogar, ich hätte da vielleicht etwas vergessen", erzählt die Rentnerin. Das sei natürlich Unsinn. Und in diesem Jahr wäre sie obendrein aus gesundheitlichen Gründen gar nicht dazu in der Lage gewesen, Gartenarbeit zu erledigen.

Die alte Dame aus Gudendorf steht nicht alleine da. Das Phänomen gibt es seit gut zehn Jahren und zwar in ganz Deutschland.

Auch bei der Meldorfer Polizeistation ist es bekannt. "Seit ein paar Jahren bekommen wir in dieser Jahreszeit entsprechende Anzeigen von betroffenen Gartenbesitzern", erzählt Polizeiobermeister Andreas Hollmann auf Anfrage unserer Redaktion. Aktuell liege jedoch keine Anzeige wegen Hortensien-Klau aus dem Raum Meldorf vor.

Anders sieht das im Raum Rendsburg und in der Stadt Neumünster aus. Medien berichten seit Anfang Dezember von immer mehr Gartenbesitzern, die sich bei ihnen oder der Polizei melden, weil ihre Hortensienpflanzen geplündert wurden. Über die Hintergründe lässt sich nur spekulieren. Ein Täter konnte trotz Polizei-Ermittlungen bislang noch nirgendwo ermittelt werden.

Die einen meinen, da beschaffe sich jemand auf günstige Weise Stecklinge zur Hortensienvermehrung. Gärtner halten das für abwegig. "Das wäre produktionstechnisch absolut sinnlos", sagt Matthias Rohse, Betreiber einer großen Zierpflanzen-Produktion in Ottenbüttel bei Itzehoe. Man wisse ja nicht, um welche Hortensien-Sorte es sich handelt. Davon gebe es viel zu viel verschiedene. Eine einträgliche Produktion müsse aber immer ordentlich, klar und sauber sein.

Andere schenken eher Gerüchten Glauben, wonach Hortensien eine berauschende Wirkung haben sollen, wenn man Teile davon trocknet und raucht. In diversen Internetforen wird über diese Wirkung geschrieben und spekuliert.

Hortensien als legaler Ersatz für Marihuana? Experten halten das für durchaus möglich. Aber sie warnen auch dringend vor dem Konsum. Beim Verbrennen würden Hortensien nämlich Giftstoffe freisetzen.

Und dann gibt es da noch die Theorie vom Wildfraß. Daran glauben Erika Heuer und ihre Mutter zuallerletzt. Welches Tier knabbert schon einen Stengel so scharf und sauber ab, wie mit dem Messer geschnitten - obendrein schräg? Und achten Tiere darauf, dass eine gewisse Anzahl Stengel stehen bleibt, gleichmäßig verteilt?

Von: Gesine Groll

Diskutieren Sie über diesen Artikel

(doch nicht)

Leider können derzeit keine Kommentare verfasst werden.


Schriftgröße



E-Paper


Leserumfrage