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06.07.2012 06:00 Uhr

"Meldorfer Papier" nach 61 Jahren Geschichte

Aufräumarbeiten am alten Hafen: Panther-Gruppe will Gelände und Maschinen verkaufen

Eine Aufnahme von dem Betriebsgelände am alten Meldorfer Hafen aus den 1970er-Jahren. Repro: Groll

Eine Aufnahme von dem Betriebsgelände am alten Meldorfer Hafen aus den 1970er-Jahren. Repro: Groll

- Weiße Säcke voller Weizenstärke werden vom Gabelstapler auf einen 40-Tonner geschoben. Am Heck des Lkw steht "Meldorfer Papier". Das ist Geschichte. Seit dem 29. Juni, 16.45 Uhr stehen die Maschinen am alten Meldorfer Hafen still.

In der Papierfabrik, die von dem Hamburger Unternehmer Fritz Landmann und Dithmarscher Bauern 1951 ursprünglich als Stroh- und Papierfabrik gegründet wurde, haben die Aufräumarbeiten begonnen. Aus Rentabilitätsgründen hat die Panther-Packaging-Gruppe im 110. Jahr ihrer Unternehmensgeschichte den Standort Meldorf geschlossen.

Am Steuer des Staplers sitzt Dierk Hinrichs. Er wird dieser Materialladung, die für Tornesch bestimmt ist, in ein paar Wochen folgen. Hinrichs gehört zu der Hälfte der 41-köpfigen Belegschaft, die Stellen-Angebote in Tornesch, dem Stammsitz der Panther-Gruppe angenommen hat. Ein Wechsel an andere, weit entfernte Standorte kam für keinen in Frage. "In Tornesch wird investiert und dort fehlen Fachkräfte um die notwendigen fünf Schichten für einen Ganzjahres-Dauerbetrieb immer ausreichend zu besetzen", erklärt Betriebsratsvorsitzender Thomas Harder. "Das ist ein Glück für viele von uns."

Zum Ausgleich für den Mehraufwand zahlt das Unternehmen zudem zwei Jahre lang 400 Euro monatlich zusätzlich zum Bruttogehalt. Wegen der hohen Spritpreise war die abmilderung dieser Härten eine der Hauptforderungen bei den Verhandlungen um den Sozialplan. Thomas Harder und seine Betriebsratskollegen Wolfgang Winter und Dierk Hinrichs haben harte Wochen hinter sich. Sie mussten um gute Konditionen für die Belegschaft kämpfen. "Aber die Geschäftsleitung ist uns letztlich sehr entgegengekommen", zieht Harder eine positive Bilanz. Selbst diejenigen, die sich nicht auf angebotene Stellen im Unternehmen beworben haben, gehen nicht leer aus. Sie bekommen noch 50 Prozent Abfindung, für Familienväter gibt es außerdem 5000 Euro pro Kind zusätzlich. Harder berichtet auch, die Aussichten für diejenigen, die nicht im Unternehmen bleiben, seien auch nicht schlecht. "Einige sagen, sie haben schon einen neuen Arbeitsplatz. Und laut Arbeitsagentur bestünden für Kollegen mit Handwerksberuf gute Aussichten auf Beschäftigung."

Während Hinrichs vor dem Betriebsgebäude die Weizenstärke verlädt, werden im Gebäude Restbestände an Chemikalien in Transport-Fässer abgefüllt. Alle Verbrauchsmaterialien gehen in die Produktion Tornesch. Bis alle Silos sowie die Sammel- und Klärgruben für das in der Produktion eingesetzte Wasser leer gepumpt und gereinigt sind, bis die restlichen Altpapierbestände abtransportiert, das Firmengelände aufgeräumt und "kindersicher" gemacht ist, werden noch bis zu acht Wochen vergehen.

Begleitet wird dieser Prozess laut Firmenleitung vom staatlichen Umweltamt, das auf eine ordnungsgemäße Entsorgung beziehungsweise Verlagerung aller Materialien und Abfälle sowie die notwendige Reinigung ein Auge hat.

Zwei Mitarbeiter werden abgestellt, das Gelände am alten Hafen zu bewachen und zu pflegen. Einer von ihnen ist Waldemar Mirke (58), der seit 36 Jahren im Betrieb ist. Er freut sich, dass er bleiben kann. "Bis zu zwei Jahre kann das gehen. Ich hab’ ja noch ein bisschen bis zur Rente. Und dann muss ich sehen", sagt er und bescheinigt dem Betriebsrat, der habe seine Sache gut gemacht hat.

Auch die Unternehmensleitung ist zufrieden, dass die Verhandlungen zu einem guten Ende gebracht wurden. "Unser Bestreben war, so viele Leute wie möglich weiter zu beschäftigen", sagt Gesellschafterin Carin Hilmer-Brenzinger.

Vom Standort Meldorf will sich die Panther-Gruppe gänzlich trennen. "Wir suchen für das Gelände dort und für den Maschinenpark Käufer", erklärt Hilmer-Brenzinger. Ob das gelingt und wie lange es dauern wird, ist schwer abzuschätzen.

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