
- Sommerloch im Jugendzentrum. Seit die Temperaturen wieder steigen, machen die 15 bis 35 Jugendlichen, die sich in der kalten Jahreszeit dort trafen, einen Bogen um die Einrichtung am Klosterhof. Ein Phänomen, dass es auch in anderen Jugendzentren gebe, doch nirgends so krass wie in Meldorf, sagt Burkhard Sill.
Die Mitglieder im Ausschuss für Generationen und Soziales, denen der Juze-Leiter Bericht über die aktuelle Lage gab, sind so ratlos wie Sill. Von einer Sozialraum-Analyse, die die FH-Studentin und Ex-Meldorferin Katrin Freiwald in den kommenden Monaten erstellen wird, erhofft man sich Antworten, die dieses Phänomen erklären.
Befragt werden sollen Schüler und Eltern von Grund-, Gemeinschafts- und Gelehrtenschule.
Der Pavillon auf dem Grundschulhof und das Soccerfeld am Gymnasium sind für die ab 15-Jährigen jetzt wieder Treffpunkt, hat Sill beobachtet. Dass sich die jungen Leute draußen aufhalten und sich bewegen, sei ja erstmal positiv, meint er. Schließlich hat das Jugendzentrum am Klosterhof kein eigenes Außengelände. Aber dass seine Bemühungen, die Kontakte wenigstens sporadisch zu halten, nicht fruchten, enttäuscht ihn. "Wir haben im Jugendforum mehrfach darüber gesprochen. Einige versprachen, kurz vorbeizuschauen, aber sie tun es nicht", so Sill, der eine gewisse Resignation nicht verbergen kann.
Für ihn und Kollegin Preuss ist es offenbar schwierig an "die Clique", wie Sill sie nennt, heranzukommen und nicht einfach, sie in Schach zu halten. Es gebe große Probleme mit Zerstörungswut. Die Leder-Garnitur, die das Juze im August geschenkt bekam, war eines Tages aufgeschlitzt, erzählt Sill. Versuche, den Verantwortlichen herauszufinden, prallten am Gruppenzusammenhalt ab. Wenn die Clique an den beiden Gemeinschaftstagen, Montag und Donnerstag, mehr oder weniger vollzählig anwesend ist, "müssen Frau Preuss und ich vor allem aufpassen, dass die Einrichtung nicht zerlegt wird". Für inhaltliche Arbeit sei da nur wenig Luft.
Anders gestaltet sich die Situation am Kindertag (mittwochs) und am Mädchentag (dienstags). Niederschwellige Bildungsangebote würden inzwischen gut angenommen. Vor allem seit diese im Programmheft der Meldorfer Volkshochschule zu finden sind, würden sich mehr und mehr Eltern melden, die Interesse haben, dem Jugenzentrum ihre Kinder anzuvertrauen. Gut besucht waren laut Sill die beiden Make-up-Workshops für Mädchen und der Waldentdeckertag für die Kinder.
Hoffnung mache auch die mit einer langen Filmnacht begonnene Kooperation mit der evangelischen Jugend. Zwar habe es seitens der Konfirmanden deutlich erkennbare Berührungsängste gegeben. "Aber das Kicker-Turnier wurde dann doch gemeinsam durchgezogen", berichtet Sill. Weitere Kooperationen seien geplant.
Einfacher zugänglichen Nachwuchs für das Jugendzentrum erhofft Sill sich aus einer Zusammenarbeit mit der Grundschule. Er hat Besuchstage angeboten, an denen die Kinder im Klassenverband die Einrichtung kennenlernen können. "Die Grundschüler sind die Jugendlichen von morgen. Wenn wir die anders formen können, als diejenigen die jetzt zu uns kommen, wäre das nicht schlecht", benennt Sill sein Konzept, eine bessere Akzeptanz und ein gedeihlicheres Miteinander zu erreichen.
Es scheint allerdings ein mühsames Geschäft zu sein, auf diese Weise den Kindertag mehr zu beleben. 300 Info-Flyer seien in der Grundschule verteilt worden, die Resonanz drauf aber leider viel zu gering. Er werde jedoch am Ball bleiben, nach dem Motto: Steter Tropfen höhlt den Stein.
Nach Sills Bericht flammten kurz Kommentare auf, wie renitente Jugendliche in den Griff zu bekommen wären. Da keine Beschlüsse zu fassen waren, beließ man es bei einigen Detailfragen zu Sills Ausführungen und will jetzt erst einmal die Ergebnisse der Sozialraum-Untersuchung abwarten.
Von: Gesine Groll
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