

Nur die Tagetes im Vordergrund leuchtet sonnig-gelb: Elektrofahrzeuge können an der Ladesäule der Solartankstelle schon seit längerem nicht mehr betankt werden.
- In dem großen Schaukasten an der Wand hängen immer noch die selben Zettel wie vor mehr als einem Jahr. Und so sehen sie inzwischen auch aus.
Es sollte ein Pilot- und Vorzeigeprojekt für ganz Dithmarschen werden, doch diesen Status hat die Solartankstelle in Kronprinzenkoog nie erreicht. Im Gegenteil: Es hat von Anfang an gehapert. Bereits anderthalb Monate nach der Eröffnung im Juni vergangenen Jahres wurde mehr oder weniger offen von schleppender Vermietung gesprochen (wir berichteten).
Inzwischen kann nicht einmal mehr davon die Rede sein: Die Tankstelle speist zwar Sonnenstrom ins Netz, doch die "Garagentore" rosten vor sich hin, sind mit Vorhängeschlössern abgesperrt. Dahinter: gähnende Leere. Alle Fahrzeuge sind zum Hauptsitz von Solar Direct nach Itzehoe geschafft worden.
"Es sollte ein Ortsmittelpunkt werden, aber das haben wir nicht geschafft", gibt Torsten Johnson, Geschäftsführer von Solar Direct und der Tochtergesellschaft Cleanobil, die das Projekt initiiert und umgesetzt hat, zu. Die Ursprungsidee sei abhanden gekommen. Die sah neben der Solartankstelle auch einen Boule-Platz mit Bänken vor (das steht beziehungsweise liegt alles) und eine überdachte Terrasse auf der Südseite des Gemeindehauses, wo die Besucher Kaffee trinken und Kuchen essen sollten.
Aber dieses kleine Café musste gleich wieder schließen, auf kirchlichem Grund und Boden war ein gewerblicher Betrieb nicht erlaubt. Damit war ein Teil des ersehnten Dorfmittelpunkts schon gestorben. Zwar suchten die Kronprinzenkooger nach einer Alternativlösung, aber umgesetzt wurde die nie.
Woran hat’s denn nun gefehlt, dass das Pilotprojekt Solartankstelle nie so richtig in Gang kam? Torsten Johnson nennt personelle Gründe als Ursache: "Es fehlte eine Betreuungsperson." Die gab es zwar am Anfang, aber eine dauerhafte Lösung war das nach Aussage von Johnson nicht. Das habe aber, betont er ausdrücklich, nicht an der Person gelegen, sondern andere Gründe gehabt.
Aufgeben wollen weder er noch Bürgermeister Thomas Masekowitz die Ursprungsidee. Voraussetzung ist allerdings die Lösung der personellen Frage - die bisher nicht gelungen ist. "Ein Rentner oder Frührentner" schwebt Masekowitz vor: "Wenn wir jemanden finden, kommen auch die Fahrzeuge wieder." Außerdem liefen Gespräche, ein neues Dorfzentrum zu entwickeln, um den Platz zu beleben. Solange es noch keine konkreten Ergebnisse gibt, will sich der Bürgermeister nicht dazu äußern.
Nicht nur Fahrzeuge und Dorfzentrum "hängen" an einer Betreuungsperson für die Solartankstelle, sondern auch die Werbung. Daran hat es nämlich von Anfang an gehapert. In den Tourist-Infos in Marne und Friedrichskoog, die als Anlaufstellen für Interessenten gedacht waren, gab es keine Faltblätter und keine Fotos - nichts, was für das Pilotprojekt "klapperte". "Erst das eine, dann das andere", sagt Torsten Johnson. Kleiner Trost: Immerhin hat die Tankstelle bis gestern Nachmittag schon 15 148 Kilowattstunden Solarstrom erzeugt.

Steht immer noch an der Einfahrt zum geplanten Dorfmittelpunkt: das Bauschild für die Solartankstelle.

Gähnende Leere: Hinter den abgesperrten "Garagentoren" stehen keine Elektroautos mehr. Fotos: Meißner
Von: Beate Meißner
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