
(ca) Wenn der Wirtschafts- und Gewerbeverein (WGV) kein Geld zur Eisbahn beisteuert, dann sieht sich die Stadt gezwungen, die laut Bürgermeister "am besten funktionierende Marketing-Maßnahme" der Stadt zu beerdigen. Nachdem sich auch WGV-Mitglieder deutlich für die Eisbahn aussprachen, lenkte dessen Vorstand ein und will versuchen, den Kaufleuten die geforderte Summe zu entlocken.
Zunächst sah es nicht danach aus. Denn eigentlich passe die Eisbahn nicht in das Marketing-Konzept des WGV, sagte dessen Vorsitzender Christian Lütje vor den knapp 30 der mehr als 120 Mitglieder, die zur Hauptversammlung ins Hotel Kotthaus gekommen waren. Schließlich sei nicht der WGV, sondern die Stadt der Veranstalter. "Wir wollen das gerne begleiten und etwas dafür tun, aber in unserem Konzept ist dafür kein Platz", machte Lütje deutlich, dass er kein Geld aus dem WGV-Etat für die Eisbahn herausrücken wolle.
Das brachte Regionalmanager Dirk Matthiessen auf den Plan: "Was macht Sie so sicher, dass die Mehrheit aller WGV-Mitglieder die Eisbahn so kategorisch ablehnt wie Sie", hielt er Lütje vor. Bestätigt wurde Matthiessen durch Claudia Laurich. "Ich profitiere nicht von der Eisbahn. Aber es wäre ein fatales Zeichen, wenn wir sie finanziell nicht unterstützen", sagte sie. Außerdem befürchtete Laurich, dass sich der WGV gegenüber Politik und Verwaltung in eine schlechte Position manövrieren würde, sollte der WGV sich verweigern.
Bürgermeister Ulf Stecher machte kein Hehl daraus, dass er die Position des WGV-Vorstandes nicht nachvollziehen kann. "Die Eisbahn ist das beste Marketing-Instrument der Stadt. Es gibt keine vergleichbare Veranstaltung mit einer Dauer von vier Wochen, noch dazu in der Zeit, in der die höchsten Absätze erzielt werden", sagte er. Den Krampf des Vorjahres will er sich jedenfalls nicht wieder zumuten. Erst kurz vor Toresschluss gelang es Stecher und Matthiessen, die nötige Summe zusammenzukratzen, um die Eisbahn überhaupt aufstellen zu können. Und trotzdem musste der Verein Heide-rundum noch 12 000 Euro dazubuttern. "Das können wir nicht noch einmal machen, denn das Geld ist weg", so Stecher, bevor er seine eindeutige Forderung nach den 5000 Euro vom WGV erhob.
"Ich kann mit klaren Worten leben", sagte Lütje auf Nachfrage unserer Zeitung zu Stechers Auftritt. "Aber dann müssen auch Taten folgen", so der WGV-Chef weiter. Im vergangenen Jahr sei das aber nicht passiert - obwohl Lütje dem Bürgermeister mehrfach angeboten habe, mit ihm gemeinsam zum Klinkenputzen durch die Geschäftswelt zu ziehen. Der WGV hat in den eineinhalb Jahren seines Bestehens gerade einmal 9000 Euro für seine Rücklage erwirtschaftet. "Müssen wir die 5000 Euro dann aus diesem Pott nehmen?", wollte Karsten Voß wissen. "Nein, das Geld muss dann zusätzlich aufgebracht werden", sagte Christian Lütje. Schließlich benötige der Verein schon für seine eigenen Veranstaltungen mindestens 14 000 Euro. Davon werden beispielsweise der Frühlingsmarkt, der Kindertag, die Kohltage, verkaufsoffene Sonntage und der Spät-Abend-Einkauf finanziert.
Außerdem konnte Lütje sich nicht so recht mit Stechers Forderung anfreunden, weil der Verein indirekt die Eisbahn ja fördere. Denn diejenigen WGV-Mitglieder, die schon zu ISH-Zeiten als Großsponsoren der Eisbahn aufgetreten sind, seien vom WGV nicht um weitere Spenden gebeten worden, damit diese das Geld wie gewohnt der Eisbahn hätten zukommen lassen können.
Am Ende machten Lütje und sein Vorstandskollege Sascha Wollschläger allerdings klar, dass sie ihre Arbeit nicht im Widerspruch zu den Mitglieder-Wünschen anpacken wollen. Und die Mitglieder stimmten mit deutlicher Mehrheit dafür, dass der Verein sich zumindest Gedanken darüber macht, wie er die 5000 Euro in Kaufmannskreisen auftreiben kann.
Von: Stefan Carl
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