

Mit einer kleinen Hinweistafel wird auf das Moorschutzprogramm am Rande des Großen Moores hingewiesen. Foto: Tiessen
- Vor wenigen hundert Jahren waren Hochmoore in Schleswig-Holstein weit verbreitet. Mittlerweile sind sie fast verschwunden. Aber in Teilen des Landes wird seit einigen Jahren viel getan, um diese Lebensräume zu reaktivieren.
2011 zum Beispiel ist in Dellstedt eine Hochmoorfläche von gut 75 Hektar wieder vernässt worden. Das Projekt im Gebiet Rethbucht ist noch nicht abgeschlossen. In diesem Jahr könnten weitere 50 Hektar hinzukommen.
Schleswig-Holstein stellt im Rahmen eines Moorschutzprogramms seit 2009 bis zum kommenden Jahr landesweit acht Millionen Euro für solche Projekte zur Verfügung. Geplant ist, Moorgebiete mit einer Gesamtgröße von einigen Tausend Hektar wieder zu vernässen. Ein Argument für diese Aktion: Klimaschutz. Experten sind überzeugt, dass entwässerte Feuchtgebiete für rund 20 Prozent der weltweiten Freisetzung des Treibhausgases Kohlendioxid verantwortlich sind. Zudem nimmt die Masse der Moore immer weiter ab, weil Mikroorganismen den durchlüfteten Torf zersetzen. Das Moorschutzprogramm hat unter anderem das Ziel, diesen Prozess zu stoppen. Aber diese Maßnahmen werden von der Bevölkerung nicht überall akzeptiert. Nicht jeder reagiert begeistert, wenn er von den Summen erfährt, die in das Projekt fließen.
Über die Erfahrungen mit den bislang umgesetzten Hochmoor-Renaturierungen haben sich Fachleute von Naturschutzbehörden, Stiftungen, Planungsbüros und Kommunen vor wenigen Tagen ausgetauscht. Hans-Joachim Kaiser vom Umweltministerium in Kiel betonte während der Tagung, dass beim Moorschutzprogramm unter anderem auch die Umsetzung einer EU-Richtlinie im Vordergrund stünde. Anforderungen internationaler Abkommen müssten eben erfüllt werden.
Angelika Bretschneider vom zuständigen Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume in Flintbek weiß aber auch, dass Renaturierungsmaßnahmen in der Vergangenheit nicht immer von Erfolg gekrönt waren. So zum Beispiel im Dellstedter Birkwildmoor. "Die Verwallung hatte nichts genützt, auch eine später untergezogene Plastikfolie zeigte keine Wirkung." Das Wasser drang immer wieder durch die Dämme. Erst als auch die angrenzenden Flächen vernässt wurden, zeigten sich die Planer mit dem Ergebnis zufrieden.
Torf ist nicht Torf. Bei der Vernässung von Mooren hängt viel von der Wasserhaltefähigkeit des Materials ab. Auch das Aufnahmevolumen und das schnelle Anheben der Flächen gilt es zu berücksichtigen. "Große Gewaltaktionen bringen nichts, deshalb muss die Arbeit von erfahrenen Planungsbüros vorbereitet werden", sagt Angelika Bretschneider.
Beim Umweltministerium in Kiel sind bereits Anträge für Folgemaßnahmen gestellt worden. Geld aus dem Moorschutzprogramm steht noch zur Verfügung. Nach der Ausschreibung könnten die Vernässungsaktionen im Land noch in den Sommermonaten angeschoben werden. Zeit bliebe dann bis zum 15. März des kommenden Jahres, wenn die Brutzeit vieler Vögel wieder beginnt.
Neben dem Projekt in Dellstedt könnte in Dithmarschen auch noch eine Maßnahme im Gebiet des Steller Sees realisiert werden.

Aus der Vogelperspektive: Im Frühjahr ist das Königsmoor zwischen Hohn und Christiansholm (Kreis Rendsburg-Eckernförde) mit Dämmen durchzogen worden, um das Wasser in der Fläche zu halten. Dieses Verfahren ist auch in Dellstedt angewandt worden. Beide Maßnahmen hat der Dellstedter Dieter Ehlers mit seinen Baggern realisiert. Foto: Förtsch
Von: Ralf Tiessen
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