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11.07.2012 06:00 Uhr Fedderingen

Über Feldwege zur Stromautobahn

Energiewendeminister Robert Habeck im Gespräch mit der Bürgerinitiative

Energiewendeminister Robert Habeck (links) auf einem Feldweg bei Hägen im Gespräch mit Klaus Deitermann (Netzbetreiber Tennet), David Westphal, Jürgen Dithmer (beide Bürgerinitiative) und Fred Johannsen (Amt Eider). Foto: Tiessen

Energiewendeminister Robert Habeck (links) auf einem Feldweg bei Hägen im Gespräch mit Klaus Deitermann (Netzbetreiber Tennet), David Westphal, Jürgen Dithmer (beide Bürgerinitiative) und Fred Johannsen (Amt Eider). Foto: Tiessen

- Beim Ausbau der Stromnetze im Land gilt die Eiderniederung als eine Problemzone. In den Skizzen der für den Netzausbau zuständigen Tennet GmbH ist der Bereich deshalb auch besonders gekennzeichnet.

Solche Zonen werden von den Planern als Gebiete mit "sehr hohem Raumwiderstand" bezeichnet. Zum Beispiel weil Siedlungen nur wenige Meter von den Stromleitungen entfernt liegen. In der Eiderniederung spielen aber auch naturschutzrelevante Dinge eine gewichtige Rolle. Deshalb sollen diese Gebiete bei der Entwicklung der Trassenvarianten zum Netzausbau möglichst gemieden werden, da sie ein "erhebliches Zulassungshemmnis" darstellen könnten. Doch irgendwie muss auch der in Nordfriesland produzierte Strom in den Süden der Republik. Deshalb plant die Tennet GmbH auch eine Stromautobahn von Niebüll über Husum nach Heide - mitten durch die schützenswerte Eider-Treene-Niederung. Der Widerstand ist programmiert.

Energiewendeminister Robert Habeck hat sich am Montagabend zu Gesprächen mit Mitgliedern der protestierenden Bürgerinitiative Westküste trassenfrei und den Investoren getroffen. Gut drei Stunden lang ist die Gruppe auf Feldwegen durch die Geestlandschaft unterwegs, um sich vom möglichen Verlauf der Trasse ein Bild zu machen. Bislang gibt es drei Varianten, von denen zuletzt die östlichste Route 3.3 favorisiert wurde. Doch je länger die Reise mit dem Minister dauert, desto mehr rückt auch die westliche Variante 3.1 - parallel zur B 5 - ins Visier der Planer. Auf Dithmarscher Seite kein Problem, heißt es von Seiten der Tennet. Schwieriger würde es jedoch nördlich der Eider, wo Vogelschutzgebiete auf der Halbinsel Eiderstedt betroffen sind.

Projektleiter Klaus Deitermann vom Netzbetreiber Tennet kündigt an, nach weiteren Routen zu suchen. Er habe bereits erste Ideen. In wenigen Wochen werden also neue leicht veränderte Varianten auf den Tisch kommen. Und Robert Habeck verlässt Fedderingen kurz vor Mitternacht mit einem Versprechen: Er will mit dem Bundesumweltminister über eine Erdkabel-Teststrecke sprechen. Derzeit sind in der gesamten Republik nur wenige Erdkabel-Trassen im Höchstspannungsbereich genehmigt - keine davon befindet sich in Schleswig-Holstein.

Im Spätsommer will sich Robert Habeck wieder bei der Bürgerinitiative melden und zu Gesprächen nach Dithmarschen kommen. "Ich will sehen, was bis dahin passiert ist." Lösungen werden sicherlich noch nicht präsentiert, denn bevor die Tennet in die detaillierte Planung einsteigt, sollen ab Herbst in einem Raumordnungsverfahren die Möglichkeiten und Varianten einer Stromtrasse ausgelotet werden. Das wiederum dürfte den für 2018 angepeilten Baubeginn verzögern.

Bis der an der Westküste produzierte Strom den Süden der Republik erreicht, werden noch Jahre vergehen. Robert Habeck wird sich noch einige Male über Feldwege fortbewegen müssen, bis das Ziel der Stromautobahnen realisiert ist.

Für die geplante Stromautobahn von Husum nach Heide gibt es drei vorgeschlagene Strecken. An der Autobahnabfahrt Heide-West wird vermutlich ein neues, mehrere Hektar großes Umspannwerk entstehen. Grafik: Tennet

Für die geplante Stromautobahn von Husum nach Heide gibt es drei vorgeschlagene Strecken. An der Autobahnabfahrt Heide-West wird vermutlich ein neues, mehrere Hektar großes Umspannwerk entstehen. Grafik: Tennet

Von: Ralf Tiessen

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