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27.07.2012 06:00 Uhr Hennstedt

Landärztin mit viel Idealismus

Gesundheitsministerin Alheit bei Dr. Gottkehaskamp: Dieser Beruf braucht mehr Anreize

Die Hennstedter Allgemeinärztin Dr. Dagmar Gottkehaskamp misst in ihrer Praxis bei Kristin Alheit den Blutdruck. Alheit ist seit dem 12. Juni 2012 Ministerin für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung.

Die Hennstedter Allgemeinärztin Dr. Dagmar Gottkehaskamp misst in ihrer Praxis bei Kristin Alheit den Blutdruck. Alheit ist seit dem 12. Juni 2012 Ministerin für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung.

- Dr. Dagmar Gottkehaskamp ist begeisterte Landärztin. Seit vier Jahren führt die Allgemeinmedizinerin ihre Praxis in Hennstedt. Bei einem Besuch von Schleswig-Holsteins Gesundheitsministerin Kristin Alheit (SPD) schilderte sie allerdings auch die Schwierigkeiten, mit denen sie als niedergelassene Ärztin täglich zu kämpfen hat.

Alheit sagte anschließend, dass mehr Anreize geschaffen werden müssten, diesen Beruf zu ergreifen. Hintergrund: Besonders in den Kreisen Steinburg, Nordfriesland und Dithmarschen droht in den nächsten Jahren ein Landärtzemangel. In Dithmarschen stünden zurzeit sieben Praxen leer, so die Ministerin. Damit sei die Versorgung noch durchaus in Ordnung. Aber wegen der relativ hohen Zahl älterer Ärzte, die bald in den Ruhestand gehen werden, könne die Situation eines Tages problematisch werden.

"Ich wüsste nicht, wo ich sonst arbeiten sollte": Dagmar Gottkehaskamp mag die Dorfgemeinschaft. Sie schwärmt davon. "Ich lebe mit den Menschen, erlebe sie, fühle mich mittendrin, gehöre dazu." Sie wisse häufig über die Familienverhältnisse Bescheid. Man lerne auf dem Dorf viel mehr als in der Stadt "den ganzen Menschen" kennen. Die guten Kontakte und die Vertrautheit wirkten sich immer wieder auch positiv auf die medizinische Behandlung aus. Diese Verbundenheit binde sie auch an ihren Beruf als Landärztin dort, wo sie ihn ausübt: "Das gibt man nicht auf." Das werde sie auch "sicher durchhalten", sagt die 44-Jährige, die aus dem Kreis Rendsburg-Eckernförde stammt und Dithmarschen "schon immer mochte".

Gerald Grimmer, stellvertretender Bürgermeister von Hennstedt, spricht mit Blick auf Dagmar Gottkehaskamp von einem Glücksfall. Denn nachdem ihr Vorgänger Dr. Wrede in den Ruhestand gegangen war, "sah es, was die Nachfolge anging, erst einmal sehr schlecht aus". Gottkehaskamp entschied sich für die in Hennstedt freigewordene Stelle und bereut den Schritt trotz der Nachteile, die sie offen benennt, nicht. Die Landärztin kritisiert den ausufernden Bürokratieaufwand, zum Beispiel für die Praxisgebühr, einen Wust von Verordnungen und Vorschriften zu Rezepten, ihre Haftung als Ärztin für Medikamente und nicht zuletzt ein ihrer Ansicht nach zu geringes Einkommen. Betriebswirtschaftliches Arbeiten sei gar nicht möglich, Mehrarbeit lohne sich nicht.

Viele Ärzte sind, anders als Dagmar Gottkehaskamp, nicht bereit, diese Nachteile in Kauf zu nehmen und überdies in einem Dorf auf dem flachen Land zu leben. Ministerin Alheit wies darauf hin, vorrangig sei es Aufgabe der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), eine ausreichende, flächendeckende Versorgung mit Ärzten sicherzustellen. Die Landesregierung werde jedoch ihren Beitrag leisten, unter anderem in einem im April dieses Jahres vom Landtag beschlossenen "Gemeinsamen Landesgremium", das Fragen der Ärztebedarfsplanung behandeln soll. In dem Gremium vertreten sein sollen auch die KV, die Landesverbände der Krankenkassen, Ärztekammer, Krankenhausgesellschaft, Städtetag und Landkreistag.

Von: Uwe Törper

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