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28.07.2012 06:00 Uhr Hemme

Grünes Licht für weiße Riesen

Gemeinde Hemme erklärt Bürgerentscheid für gültig

Einsame Entscheidung: Wegen Befangenheit der gesamten Gemeindevertretung muss Michael Dethlefs vom Amt Eider für die Gemeinde über den Vertrag mit der Bürgerwindpark-Gesellschaft entscheiden.  Foto: Hecht

Einsame Entscheidung: Wegen Befangenheit der gesamten Gemeindevertretung muss Michael Dethlefs vom Amt Eider für die Gemeinde über den Vertrag mit der Bürgerwindpark-Gesellschaft entscheiden. Foto: Hecht

- Nun ist es amtlich: Am Rand des Weißen Moors dürfen 150-Meter-Windräder aufgestellt werden. Die Gemeindevertreter von Hemme bestätigten jetzt die Gültigkeit des Bürgerentscheides.

Die Abstimmung der Einwohner war mit 151 zu 129 Stimmen knapp ausgefallen, als sie im Juni über hohe Windräder am Rande des Weißen Moors entscheiden mussten.

In Hemme gilt eine generelle Höhenbeschränkung für Windkraft-Anlagen. Sie dürfen nicht höher als 100 Meter sein. Die freie Fläche am Weißen Moor unterliegt dieser Beschränkung nun nicht mehr.

Während ihrer jüngsten Sitzung erklärten die neun Gemeindevertreter den Bürgerentscheid für gültig - und zwar einstimmig. Das bedeutet, dass auf dem Gebiet am Ortsrand künftig Windspargel mit einer Höhe von bis zu 150 Metern aufgestellt werden dürfen. Dem Antrag der Bürgerwindpark-Gesellschaft Hemme wurde damit stattgegeben. Wenn das Land das Areal tatsächlich als Eignungsfläche ausweist, könnten dort in Zukunft bis zu sieben der weißen Riesen in den Himmel ragen.

Auf der Tagesordnung stand anschließend noch ein weiterer Punkt bezüglich der hohen Windräder. Dabei ging es um einen Vertrag zwischen Gemeinde und Windpark-Gesellschaft. Letztere sollte sich verpflichten, die Anlagen mit einer bedarfsgerechten Befeuerung auszustatten. Dabei handelt es sich um radargestützte Blinklichter, die nur dann anspringen, wenn sich ein Flugzeug in der Nähe befindet. Damit soll die Beeinträchtigung der Anwohner durch das Dauerblinken verhindert werden.

Das Problem ist jedoch, dass sich diese Technik zurzeit noch in der Entwicklung befindet. Sollte sie beim Bau der Windkraft-Anlagen am Weißen Moor noch nicht ausgereift sein, soll die Gesellschaft die Mühlen so schnell wie möglich nachrüsten lassen. Bis dahin müssten die Anwohner die permanent blinkenden, roten Lichter durchgehend ertragen.

Weil alle Gemeindevertreter Teilhaber an der örtlichen Bürgerwindpark-Gesellschaft und damit befangen sind, mussten sie für die Abstimmung über den Vertrag den Raum verlassen. Die einsame Entscheidung traf erneut Michael Dethlefs, Berater und Protokollant vom Amt Eider. Er stimmte einem solchen Vertrag zu. Bereits im Januar hatte es in Hemme eine Ein-Mann-Abstimmung zum Ausbau der Windenergie im Weißen Moor gegeben.

Die geplanten 150-Meter-Anlagen sorgen - obwohl sie nun beschlossene Sache sind - weiter für Diskussionsstoff im Ort. So befürchtet die Bürgerinitiative, die sich gegen höhere Mühlen formiert hat, dass das Votum der Einwohner ein Freifahrtschein für das sogenannte Repowering ist. Dabei werden kleinere Anlagen gegen größere ausgetauscht.

Hans-Peter Witt (WGH), Bürgermeister und gleichzeitig Vorsitzender der Bürgerwindpark-Gesellschaft, sieht das anders. "Die Fläche am Weißen Moor ist eine Ausnahme", sagt er. Dennoch stehe es auch künftig jedem offen, einen Antrag auf höhere Mühlen zu stellen. Dann werde ebenfalls darüber befunden.

Von: Christoph Hecht

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