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Mittwoch, 16. November 2011 | Von: Wiebke Reißig

Supertrecker Marke Eigenbau

Mit 3,5-Tonnen-Gefährt zur Motorschau: Panzer-Motor und Renn-Motor sorgen für insgesamt 3000 PS

Ebenfalls imposant: Der Adler auf dem mannshohen Kotflügel

Ebenfalls imposant: Der Adler auf dem mannshohen Kotflügel

Fast alle Teile haben die Männer selbst angefertigt - vom Getriebe bis zur Achse, von der Lenkung bis zur Bremsung.

Fast alle Teile haben die Männer selbst angefertigt - vom Getriebe bis zur Achse, von der Lenkung bis zur Bremsung.

Süderhastedt

- Der Nervenkitzel könnte kaum größer sein: Wenn sich die gigantischen Motoren auf der Wettkampf-Strecke ins Zeug legen, halten die Dithmarscher den Atem an.

Es geht um alles oder nichts. Sie haben nur diesen einen Versuch.

Die zehn bis fünfzehn Sekunden auf der Wettkampf-Bahn, das kraftstrotzende Dröhnen der Motoren, ist den Männern Tausende Stunden Arbeit wert. Vier Jahre lang haben sie sich an etlichen Feierabenden in der Werkstatt von Jan Adler in Süderhastedt getroffen und ihren Supertrecker zusammen- geschraubt, gebohrt, gedreht, gefräst. "Die meisten Teile haben wir selbst gefertigt - vom Getriebe bis zur Achse von der Lenkung bis zur Bremsung selbst gebaut", sagt Team-Chef Jan Adler, Kfz- und Landmaschinenmechaniker-Meister aus Süderhastedt.

"Nach 2000 Stunden haben wir aufgehört zu zählen." Er lacht und versichert überzeugend, dass diese Feierabend-Arbeit reines Freizeitvergnügen ist. Herausforderung, die technischen Tüfteleien zu bewältigen. Entspannung, weil es dabei locker zugeht und größte Freude, wenn man ein kniffliges Problem schließlich knackt.

Und davon gibt es viele, denn bei der Schrauberei an dem Supertrecker bewegen sich die Männer ständig an der Grenze des Machbaren, an der Leistungsgrenze des Materials.

An dem Panzer-Motor mit 30 Liter Hubraum haben sie die Zündung modifiziert, die Einspritz-Anlage komplett selbst gebaut. Der Treibstoff ist Methanol. Allein dieser Motor bringt 1300 PS. Der zweite Motor des Mega-Treckers ist ein V-8-Renn-Motor (8,4-Liter Hubraum), mit einem Kompressor aufgeladen. Leistung: 1700 PS.

Ständig wird weiter verfeinert und an Kleinigkeiten gefeilt. Dabei kann die Verbesserung eines Details an anderer Stelle für Überlastung sorgen, kann dort Teile zum Bersten bringen. "Eine ständige Herausforderung für uns."

Dennoch: Die kreative Tüftelei ist nicht nur pure Fantasie: Ihr 3,5-Tonnen-Gefährt entspricht dem europäischen Reglement für Tractor pulling, bei dem der Trecker seine Kraft auf einer abgesicherten Hundert-Meter-Bahn mit einem angehängten Bremswagen misst. Bundesweit gibt es acht Wertungsläufe pro Jahr unter dem Dach der Deutschen Trecker-Treck Organisation (DTTO), alle nach internationalen Reglements.

Wann immer möglich, gehen die Dithmarscher mit ihrem Supertrecker dort an den Start. Aber: Beruf und Familie gehen vor, betont Jan Adler, der bei den Wettkämpfen Fahrer ist.

Adrenalin-Stoß pur. Denn jede Mannschaft hat nur eine Chance. Wer sein Geschütz während der dreiminütigen Startvorbereitung nicht zum Laufen kriegt, wessen Motor oder Kupplung streikt, ist raus.

Nach der technischen Abnahme und dem Wiegen werden die Mega-Trecker in Fahrtrichtung an den Start geschleppt. Alles muss stimmen: Luftdruck, Gang und Balancierung des beweglichen Gewichts auf dem Trecker. Alles muss von der Mannschaft je nach Wetter und Bahnbeschaffenheit ganz genau abgestimmt werden: Ist das Fahrzeug vorne zu schwer, drehen die hinteren Räder auf der Bahn leicht durch. Liegt zu viel Gewicht hinten, steigt der Trecker vorne zu weit hoch und wird vom Steig-Begrenzer blockiert. Also Start frei und Vollgas - mit Fingerspitzen-Gefühl und Gänsehaut.

Ende nächster Woche gibt es für die Dithmarscher eine Leistungsschau der leiseren Art. Sie dürfen ihren Supertrecker auf der Motorschau in Essen präsentieren. "Eine Ehre" für die Männer, die ihre Schrauberei ja privat bezahlen und mit vergleichsweise geringem Etat auskommen müssen. Deshalb bringen ihr Supergefährt mit dem Lkw-Auflieger und einer gesponserten Zugmaschine nur hin, holen es nach der Messe wieder ab, aber kehren während der Schau in die Heimat an ihre Arbeitsplätze zurück.

An die Platzierung mancher Konkurrenten, die mit nahezu doppelter Leistung fahren, werden sie nicht heranreichen können. Dennoch haben sie mit ihrem Supertrecker beachtlichen Erfolg und wurden von der DTTO für ihre saubere, kontinuierliche Arbeit zum Newcomer-Puller des Jahres 2010 gekürt.

Der Supertrecker-Mannschaft. Vier Jahre lang haben die Männer ihn in Feierabend-Arbeit zusammengeschraubt und immer weiter ausgefeilt. Jetzt dürfen sie ihn auf der Motorschau in Essen präsentieren. Foto: Reißig


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