

Dorle lernt anhand verschiedener Übungen, den Stift richtig zu führen. Die blaue Unterlage hilft ihr dabei, das Blatt korrekt vor sich zu positionieren. Fotos: Habib
- Manche Menschen sehen sie noch als etwas Besonderes an, dabei gibt es Schätzungen, dass rund die Hälfte der Bevölkerung linkshändig ist. Mit den richtigen Übungen kann ein Kind schnell den sicheren Umgang mit der linken Hand lernen.
"Linkshändigkeit ist etwas völlig Normales. Es ist möglich, genauso eine schöne Schrift zu haben und eine ergonomische Schreibhaltung anzunehmen, wie Rechtshänder", betont Sibylle Ballenberger. Die Physiotherapeutin ist zertifizierte Linkshänderberaterin und selbst linkshändig.
Bereits bei Kleinkindern ist der richtige Umgang mit der dominierenden Seite sehr wichtig. Nach den Worten von Ballenberger geben viele Eltern ihren Kindern unbewusst eine Tendenz zu einer bestimmten Seite vor. Dabei sind es ganz kleine Dinge, auf die geachtet werden muss. "Wenn Kinder in dem Alter sind, in dem sie greifen können, sollte ihnen alles neutral angeboten werden." Gabel, Löffel und Glas beispielsweise werden einfach in der Mitte aufgestellt. Das Kind könne so selbst entscheiden, mit welcher Hand es greifen will.
Ballenberger betont, dass Linkshändigkeit keine Angewohnheit ist, sondern Ausdruck der motorischen Dominanz der rechten Gehirnhälfte. Eine Umschulung der Händigkeit kann schwere Konsequenzen haben, etwa Konzentrationsschwierigkeiten, Gedächtnisstörungen, Lese- Rechtschreibstörungen bis hin zu Verhaltensproblemen. "Wenn Kinder sich normal entwickeln, kann man erste Tendenzen bezüglich der dominierenden Seite ab einem Alter von sechs Monaten erkennen."
Ist das Kind linkshändig, empfiehlt es sich, zu einem Linkshänderberater zu gehen. Einem gesunden Kind ohne Bewegungsauffälligkeiten oder anderen motorischen Störungen kann in sechs bis zehn Sitzungen der korrekte Umgang mit der Linkshändigkeit vermittelt werden. Doch nicht bei jedem Kind ist bis zur Einschulung zu erkennen, welche Seite dominierend ist. "Sie malen und greifen mal mit rechts und mal mit links." Auch in diesen Fällen können Spezialisten weiterhelfen. "Mithilfe von Tests können wir herausfinden, welche Seite des Kindes dominierend ist und diese schulen." Die ideale Zeit, um so einen Test zu machen, ist ein Jahr vor der Einschulung.
Sibylle Ballenberger empfiehlt für Linkshänder weiche Buntstifte zum Zeichnen. "Während Rechtshänder den Strich ziehen, müssen Linkshänder den Strich schieben", erläutert die Spezialistin. Weiche Buntstifte ermöglichen eine geschmeidigere Handführung, was für die gesamte Schreibhaltung von Vorteil ist.
Sibylle Ballenberger hofft, dass in Schulen in Zukunft noch mehr Rücksicht auf Linkshänder genommen werde. "Es gibt bereits viele Lehrer, die darauf achten", aber viele ignorieren noch, dass Linkshänder anders lernen müssen. Dabei sind es nur Kleinigkeiten, auf die geachtet werden muss. Ein Beispiel: Die Blickrichtung von Linkshändern ist auf der rechten Seite. Da von links nach rechts geschrieben wird, befinden sich in Grundschulen Buchstaben bei Schreibübungen auf der linken Seite. Für Linkshänder ein Problem, um den Buchstaben korrekt nachschreiben zu können, müsste er rechts stehen. Es reicht also aus, für Linkshänder die Zeichen auf rechts zu setzen.

Links dominiert: Die achtjährige Dorle Haack ist Linkshänderin. Aus verschiedenen Gründen hat sie aber zunächst mit rechts geschrieben. Bei Sibylle Ballenberger wird sie seit Dezember auf ihre dominierende Seite umgeschult.
Von: Hengameh Habib
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