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Samstag, 04. Februar 2012 | Von: Reinhard Geschke

Verkehrsplanung zum Wohle der Menschen

Verkehrsexperte Armin Behnke sieht Verbesserungsmöglichkeiten für Kreuzung in Helse

Hätten Sie es gesehen? Hinter der Sichtblende fährt ein schwarzer Kombi, der auch bei Sonnenschein hinter der vereisten und verschmutzten Blende nur schwer zu erkennen ist.  Fotos: Geschke/Feil

Hätten Sie es gesehen? Hinter der Sichtblende fährt ein schwarzer Kombi, der auch bei Sonnenschein hinter der vereisten und verschmutzten Blende nur schwer zu erkennen ist. Fotos: Geschke/Feil

Verkehrsexperte Armin Behnke aus Lohe-Rickelshof.

Verkehrsexperte Armin Behnke aus Lohe-Rickelshof.

Total zerstört wurde der BMW bei dem Unfall an der Kreuzung B 5/Helser Geestweg. Dabei wurden drei junge Menschen lebensgefährlich verletzt, einer starb später.

Total zerstört wurde der BMW bei dem Unfall an der Kreuzung B 5/Helser Geestweg. Dabei wurden drei junge Menschen lebensgefährlich verletzt, einer starb später.

Helse

- Es gibt Kreuzungen in Dithmarschen, an denen es immer wieder schwere Unfälle gibt. Diese sind dann meist als Unfallschwerpunkt registriert. Doch nicht immer sind Kreuzungen Schwerpunkte, auch wenn es dort häufiger geknallt hat.

Die Kreuzung Bundesstraße 5 und Helser Geestweg ist so eine: Dort verunglückten in der Silvesternacht vier junge Leute, einer davon tödlich. Nach diesem Unglück hat sich auch Verkehrsexperte Armin Behnke, früherer Abteilungsleiter der Verkehrsakademie für den öffentlichen Personennahverkehr in Berlin, die Stelle angesehen. Seine Bilanz fällt dabei ernüchternd aus.

So sieht der 69-Jährige, der sich seit vielen Jahren mit dem Straßenverkehr beschäftigt und lange Jahre auch als Fahrlehrer und Ausbilder gearbeitet hat, die derzeitige Situation als verbesserungswürdig an. So ist in den Augen des Verkehrsexperten die Einordnung des Helser Geestweges als Anliegerstraße nicht korrekt. "Ich habe mich eine Stunden lang um die Mittagszeit dorthin gestellt und die Autos gezählt. Während auf der Bundesstraße 90 Autos fuhren, waren es auf dem Geestweg 30", berichtet er. Deshalb könne man nicht von einer Anliegerstraße sprechen, es sei vielmehr eine Zubringerstraße. Sicher auch aufgrund des Verkehrsaufkommens passieren dort immer mal wieder Unfälle. wie Anlieger Hans-Peter Nissen erläutert: "Ich wohne schon seit 15 Jahren hier, ein Nachbar hat schon dreimal einen Unfall gehabt. Zweimal an der Front, einmal im Heck." Allein im vergangenen Jahr, so schätzt Nissen, soll es drei bis vier Mal gekracht haben - allesamt glücklicherweise nur Blechschäden.

Besser gelöst werden könnte auch die Optik: "Wer an die Kreuzung heranfährt, erkennt erst sehr spät, dass hier eine Vorfahrtstraße quert", sagt Behnke. Deshalb fordert er nicht nur ein vorgezogenes Hinweisschild, sondern auch die vorgeschriebene Markierung der Haltelinie zu erneuern.

Als besonderes Sichthindernis erweisen sich in seinen Augen die Kunststoffscheiben, die als Blendschutz für Autofahrer auf der Bundesstraße dienen soll. "Die sind so stark verschmutzt, dass Autos dadurch kaum zu erkennen sind", kritisiert Behnke. Mit diesen relativ einfachen Maßnahmen, könnte die Sicherheit deutlich erhöht werden.

Wie der Pressesprecher des Kreises, Bernhard von Oberg sagt, "ist diese Kreuzung aber kein Unfallschwerpunkt". Eine Gefahrenstelle wird immer dann ein Unfallschwerpunkt, wenn es dort innerhalb eines Jahres mehrere Unfälle des gleiches Typs gibt (zum Beispiel Vorfahrt nicht beachtet) oder auch mehrere Unfälle mit unterschiedlichen Ursachen. Das gilt für die Kreuzung in Helse nicht.

Dieser Betrachtung möchte sich Behnke aber nicht anschließen. "Mir geht es um einen ganzheitlichen Ansatz. Die Rahmenbedingungen müssen so gut sein, damit die Menschen möglichst wenig Fehler machen können." Die Behörden aber würden sich oft als Beschleuniger für den Verkehr sehen und erst handeln, wenn Unfälle geschehen sind. Was Behnke vor allem zu kurz kommt: "Es werden zu viele Entscheidungen im Straßenverkehr getroffen, die wenig praxisorientiert sind." Deshalb hat er sich aus reinem Hobby die Mühe gemacht, die Bundesstraße 5 von der dänischen Grenze bis nach Polen abzufahren. "Dabei habe ich viele Fotos und Kritikpunkte entdeckt, die für die Menschen verbessert werden könnten. Als weiteres Beispiel nannte er die Straßenquerung in Eesch. Dort müssen die Kinder morgens um 7 Uhr über die Straße, um den Schulbus er erreichen. "Zu der Zeit können Kinder die B 5 allein kaum überqueren, weil der Berufsverkehr mit 100 Kilometer pro Stunde dort vorbeirauscht und ein Wechsel der Straßenseite so gut wie unmöglich ist."

Behnke legt den Finger dort in die Wunde, wo die Belange der Menschen durch den Straßenverkehr in den Hintergrund gerückt wurden. Auch in der Frage der Kreuzung in Helse hat er bereits mit der Polizei Kontakt aufgenommen und seine Argumente vorgetragen. Die Entscheidung für Änderungen im Straßenverkehr wie das Aufstellen von Schildern oder Geschwindigkeitsbeschränkungen aber fällt die Straßenverkehrsbehörde des Kreises.


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