

Das Piraten-Meer in Büsum fährt Jahr für Jahr Defizite ein, doch die Politiker wollen weiterhin an vergünstigten Sondertarifen für Einwohner aus Büsum und dem Umland festhalten.
Büsum
- Der Aufschrei in Büsum und den Umlandgemeinden wird lauter. Mit den neuen Regelungen zur Kurabgabe und der Strandkartengebühr im Nordseeheilbad ist scheinbar kaum jemand zufrieden. Kein Wunder, immerhin geht es um den eigenen Geldbeutel. Aber ist die Kritik gerechtfertigt?
Der Tageseintritt zum Strand kostet während der Hauptsaison zwei Euro. Wer als Büsumer möchte, kann eine Jahreskarte für 20 Euro erwerben. Diesen Sondertarif erhalten die übrigen Einwohner aus Dithmarschen nun nicht mehr. Sie werden künftig genau so abkassiert wie Besucher aus Husum oder Touristen aus Köln.
Wer dennoch in den Genuss von günstigeren Tarifen kommen möchte, kann eine Jahresgästekarte (Preis: 84 Euro) erwerben. Die Karte ermöglicht unter anderem einen freien Strandeintritt und einen Rabatt im Piraten-Meer.
Bürgermeister Maik Schwartau (SPD) muss diese Veränderungen seit Jahresbeginn vertreten. Sein Argument: Er ist verpflichtet, Gesetze einzuhalten, um Schaden von der Gemeinde fern zu halten. Doch von den Politikern bekommt er kaum Unterstützung.
Laut Aussage von Timm Hollmann (CDU), Vorsitzender des Hauptausschusses, seien die bislang gewährten Vergünstigungen für Büsumer auch als eine Art "Dankeschön für die gezahlten Steuergelder" zu verstehen gewesen. Deshalb müsse möglichst schnell wieder eine politische Entscheidung getroffen werden, um Sondertarife einzuführen. Mit Blick auf einzuhaltende Gesetze sagt der Anwalt: "Wo kein Kläger ist, ist auch kein Richter." Auch Jan Zimmermann (IBF) weiß, dass "Büsumer jahrelang bevorzugt wurden." Nun, wo die veränderten Tarife für einen Aufschrei sorgen, regt der IBF-Politiker an: "Wir müssen uns fragen, was uns der Büsumer wert ist." Und Eike Oelker (FWB) meint zur neuen Preispolitik, dass "man so nicht mit den Bürgern umgehen kann".
Die SPD-Politiker hielten sich am Dienstag während der Hauptausschusssitzung mit Stellungnahmen zurück. Kein Wort, um ihrem Bürgermeister den Rücken zu stärken. Denn auch sie wissen wohl, dass die Preispolitik derzeit ein emotional diskutiertes Thema ist.
Derweil steigt der Druck auf Schwartau. Aber er wird nicht müde, zu erklären, dass "jede Vergünstigung auch mit dem Steuergeld der Büsumer finanziert werden muss". Der Eintrittspreis im Piraten-Meer beträgt acht Euro. Kostendeckend kann die Einrichtung nie betrieben werden, das ist dem Bürgermeister bewusst. Wenn man das wollte, müsste bei gleicher Besucheranzahl und Kostenstruktur ein Eintrittspreis von 21,03 Euro erhoben werden. Dieser Kalkulation des Bürgermeisters zufolge beinhaltet der Eintrittspreis bereits "eine Vergünstigung von 62 Prozent". Der Zuschussbedarf für das Piraten-Meer liegt demnach bei 978 000 Euro. 710 000 Euro werden über die Kurabgabe finanziert, 268 000 Euro fließen aus der Gemeindekasse.
Extrem ist es laut Aussage von Maik Schwartau beim rabattierten Frühschwimmertarif. "Allein der Eintritt in Höhe von vier Euro entspricht einer Vergünstigung von 81 Prozent." Würden noch die Erstattung der Parkplatzgebühr (zwei Euro) und die Vergünstigung für den Inhaber einer Goldkarte (0,80 Euro) hinzukommen, zahlt der Frühschwimmer 1,20 Euro, rechnet Maik Schwartau vor. Das entspreche einer Vergünstigung von 94 Prozent. "Das muss man wissen, wenn man über weitere Rabatte diskutiert", sagt der Bürgermeister. Jeden Preisnachlass um fünf Prozentpunkte - entspricht einem Entgelt von einem Euro - muss die Gemeinde mit 75 000 Euro bezuschussen.
Die CDU-Fraktion hat sich gestern festgelegt. In einem schriftlichen Antrag zur Gemeindevertrersitzung am Dienstag, 14. Februar, fordert die Union die Vertreter auf, den Bürgermeister zu beauftragen, "sofort die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass den Inhabern der Büsumer Einwohnerkarte (Preis: 20 Euro p.a.) jene Vergünstigungen eingeräumt werden", die den Inhabern von Gästekarten gewährt werden. Zudem sollen auch alle Einwohner des Amtes Büsum-Wesselburen eine "Jahreskarte zu selben Konditionen und Vergünstigungen wie Einwohner der Gemeinde Büsum" erhalten.
Dabei denkt der Bürgermeister in eine andere Richtung. Er möchte den Eintritt ins Piraten-Meer auf neun Euro erhöhen.