
(kim) Weil nur noch jeder zehnte Schleswig-Holsteiner Platt schnackt, fordert der Heimatbund, dass ab 2016 an allen Grundschulen im Norden verpflichtend zwei Unterrichtsstunden Niederdeutsch pro Woche und Jahrgang unterrichtet werden.
Im kommenden Schuljahr soll das zunächst für die ersten und zweiten Klassen eingeführt werden. Zwar stehe die Pflege des Niederdeutschen auch jetzt in den Grundschullehrplänen, sagte gestern der Sprecher des Plattdeutschen Rates, Klaus Nielsky, in Kiel. Es wurde aber nicht konsequent umgesetzt und kontrolliert. „Das hat keinen interessiert“, klagt er. Heute wird deshalb auf einer Fachtagung in Leck eine Resolution verabschiedet, in der darauf hingewiesen wird, dass die Landesregierung sich mit der Unterschrift unter die Sprach-Charta der EU zur Pflege des Niederdeutschen verpflichtet habe. „Das ist geltendes Recht und steht im Koalitionsvertrag“, betont Nielsky. Nach Angaben des Kultusministeriums wären für die Umsetzung der Forderungen 313 Lehrerstellen zusätzlich erforderlich. „Das entspricht einem Haushaltsvolumen von mehr als 15 Millionen Euro“, sagte ein Sprecher.
„Plattdeutsch ist ein Stück unserer Identität und muss gepflegt werden“, begründete Nielsky den Vorstoß. Derzeit nehme die Zahl Plattdeutsch sprechenden Menschen rapide ab: Ihr Anteil ist umso größer, je älter die Menschen sind. Von einer aussterbenden Sprache will der Fachmann dennoch nicht sprechen.
Ausreichende Angebote gebe es aktuell aber lediglich in 30 bis 40 Kindergärten. Für Marianne Ehlers vom Heimatbund ist es von Vorteil, dass das Land sehr viele gut ausgebildete Lehrer habe, da jeder Deutsch-Student an der Uni ein Modul Niederdeutsch belegen muss. Berichte, dass Hamburg die gut ausgebildeten Lehrer abwerbe, hatten auch Ehlers und Nielsky gehört. Auf die Platt-Pflege in Hamburg schauen beide voller Neid: Dort gibt es ein Dutzend Modellschulen, in denen die alte Sprache Pflicht ist.
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