

Gabriele Hoschek von der Stadtverwaltung.

Thema Scheidung: "Und Papa sehe ich am Wochenende". Ein Beispiel aus der "Brunsbütteler Kinderbuchkartei", die, wie auch der Name schon unschwer erraten lässt, aus Karteikarten besteht. Das soll sich ändern: Ab Sommer sind die Buchtitel mit kleiner Inhaltsangabe auch im Internet zu finden. Fotos: Reh
Brunsbüttel
- Sie ist einzigartig in Schleswig-Holstein, vermutlich sogar bundesweit: Die "Brunsbütteler Kinderbuchkartei", die rund 300 Buchtitel umfasst und Eltern beim Aufspüren der passenden, problemorientierten Literatur für ihren Nachwuchs helfen soll. Noch in diesem Sommer ist ein Internet-Auftritt geplant, denn ein Karteikarten-System ist heute nicht mehr zeitgemäß.
Die "Brunsbütteler Kinderbuchkartei" für Kinder im Alter von drei bis 12 Jahren hat sich in Fachkreisen längst einen Namen gemacht: "Zum Beispiel das Bildungsportal von Hessen verweist in seiner Rubrik Unterrichtsmaterialien darauf", sagt Gabriele Hoschek von der Stadtverwaltung nicht ohne Stolz. Gemeinsam mit acht anderen Frauen hat sie Ende der 80er-Jahre - damals noch in ihrer Funktion als Gleichstellungsbeauftragte - den Arbeitskreis "Mädchen und Jungen im Kinderbuch" aus der Taufe gehoben, der kurze Zeit später die Kinderbuchkartei zusammengestellt hat. Mehr als 200 Karteikästen wurden bislang an Institutionen wie Bibliotheken, Familienbildungsstätten, Frauenhäuser, Kindergärten und Schulen verkauft.
"Eigentlich haben wir zunächst nur untersucht, wie unterschiedlich die Rollen von Mädchen und Jungen im Kinderbuch ausfallen", erzählt Hoschek. Vor 30 Jahren waren es meistens die Jungen, die in den Geschichten agierten, weniger die Mädchen. Das hat sich inzwischen natürlich geändert. Aber der Gleichberechtigungsaspekt war es auch gar nicht, der die Frauen veranlasst hat, gemeinsam mit Buchhändlerin Traute van Aswegen eine Kinderbuchkartei zusammenzustellen. "Kinder leben heute wie auch schon vor 30 Jahren nicht mehr in einer heilen Welt. Die Zahl alleinerziehender Mütter und Väter steigt, gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften und neu zusammengesetzte Familien sind Realität. Kinder mit Behinderungen gehören zum Alltag, immer mehr Mütter sind berufstätig. Kinder erleben Trennung der Eltern, Arbeitslosigkeit, Krankheit und Tod", heißt es in dem Vorwort zur Kinderbuchkartei. "Wir hatten uns damals entschlossen, zu insgesamt 15 Themenkreisen wie Scheidung, Trennung, Behinderung, Krankheit, Krieg und Tod geeignete Buchtitel herauszusuchen. Mit Hilfe eines Buches kommt man mit Kindern manchmal viel leichter ins Gespräch", erläutert Hoschek. Probleme können so besser aufgearbeitet und Ängste überwunden werden.
Natürlich haben die Mitglieder des Arbeitskreises sämtliche Buchtitel, die sie in die Kartei aufgenommen haben, selbst gelesen. Und nicht nur das: "Ich habe sie auch ganz häufig meiner eigenen Tochter vorgelesen oder sie an Kindertagesstätten verliehen", so Hoschek. Die Kartei wird übrigens jedes Jahr überarbeitet: "Die Ergänzungskarteikarten kann man nachkaufen."
Dreimal im Jahr trifft sich der Arbeitskreis, um die Neuerscheinungen auf dem Kinderbuchmarkt unter die Lupe zu nehmen. "Wir werten die Listen der verschiedenen Verlage aus." Natürlich fallen auch eine ganze Menge Bücher durch: "Ich habe schon viele Titel schnell wieder beiseite gelegt, weil sie mir nicht zugesagt haben." Für Hoschek ist es wichtig, dass die ausgewählten Kinderbücher Problemlösungen anbieten, realistisch, aber an den richtigen Stellen durchaus auch heiter und witzig sind - ohne dass sie dauernd mit dem moralischen Zeigefinger daherkommen.
Eltern, die die Kartei für sich nutzen wollen, können in der Stadtbücherei Brunsbüttel nachfragen. Dort gibt es zwei Kästen, die man sich vor Ort in aller Ruhe anschauen kann. Alle Bände, die es in der Bücherei gibt, sind gekennzeichnet.
- Weitere Infos: Gaby Hoschek, Tel.: 391-149.