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21.07.2012 06:00 Uhr

Koswigs kreative Köpfe

Dieter Koswig und Heiner Egge leben neuartige Verbindung von Bildhauerei und Literatur

Das Gesicht von Anette von Droste-Hülshoff zierte einst den 20-Mark-Schein. Sie ist Koswigs einziger Holzkopf mit realem Vorbild. Titel: Dröste-Hülshoff nach Abschaffung der D-Mark. Daher wohl ihr trauriger Blick und die in sich zusammengefallene Lockenfrisur.  Foto: Helga Schulz

Das Gesicht von Anette von Droste-Hülshoff zierte einst den 20-Mark-Schein. Sie ist Koswigs einziger Holzkopf mit realem Vorbild. Titel: Dröste-Hülshoff nach Abschaffung der D-Mark. Daher wohl ihr trauriger Blick und die in sich zusammengefallene Lockenfrisur. Foto: Helga Schulz

- Bislang kannte man Dieter Koswig als einen Bildhauer, der streng geometrisch arbeitet und dessen bevorzugtes Material rostiger Stahl ist. Jetzt hat er Holz für sich entdeckt. Und gemeinsam mit Heiner Egge eine neuartige Verbindung von Bildhauerei und Literatur geschaffen.

Für gewöhnlich werden Büsten Menschen nachempfunden und gewidmet, die ein herausragendes Leben geführt oder besondere Leistungen vollbracht haben. "Bei mir ist es genau umgekehrt", sagt Dieter Koswig. Der Bildhauer nimmt sich einen Holzblock mit seinen Verwachsungen und Rissen und fängt an, diesen zu bearbeiten. "Vielleicht weiß ich zu Beginn noch, ob es ein männlicher oder ein weiblicher Kopf werden soll. Der eines jüngeren Menschen oder der eines älteren. Alles andere ergibt sich erst beim Arbeiten." 19 Köpfe und damit Persönlichkeiten hat der Eggstedter auf diese Weise in den vergangenen Jahren erschaffen. Ein krasser Widerspruch zu dem, was der Kunstmarkt und die Sammler bisher von ihm gewohnt waren.

Wie er als studierter Metall-Bildhauer auf diese Idee gekommen ist, kann Koswig gar nicht mehr so genau sagen. Irgendwie sei plötzlich eine Tür aufgegangen, ein Sog habe ihn gezogen und er habe diesem nachgegeben. Bereut hat er dieses Experiment keine Sekunde: "Ich finde regelrecht eine kindliche Freude daran, figürlich und abbildhaft zu arbeiten. Und ich werde es auf jeden Fall auch weiterhin tun." Was aber nicht bedeutet, dass er sein bislang gewohntes Werken komplett einstellen will: "Das sind für mich zwei Inseln. Künftig werde ich mal auf der einen sein, mal auf der anderen." Wobei Koswig auf seiner neuen "Figuren-Insel" nicht allein ist: Sein Freund Heiner Egge leistet ihm Gesellschaft. Der Schriftsteller ist es, der den von Koswig erschaffenen Köpfen erst einen Namen und eine Persönlichkeit verleiht. "Die Holzgestalten sind als Gäste in seine Schreibstube eingezogen und haben ihm ihre Geschichte erzählt. Heiner bringt diese zu Papier und verfasst wunderbare Kurzportraits", freut sich Koswig über diese Zusammenarbeit und Symbiose zwischen Bildhauerei und Literatur. Die übrigens von Erfolg gekrönt ist: In drei Ausstellungen, etwa bei der renommierten Ateliergemeinschaft Neunzig Grad in Kiel, schlug das neue Konzept der Literatur-Skulptur ein wie eine Bombe. Viele Besucher kamen sogar mehrfach, um sich die Büsten von Fräulein Nagel, dem Boxer, Rotkäppchen, Telse, dem Kurier, der Fragenden und den anderen anzusehen - und die "Biografien" der Figuren zu lesen. Manche Köpfe, so freut sich Koswig, haben auch schon ihre Besitzer gewechselt. Neue sind schon in Arbeit. Koswig: "Meine Birne ist immer voll mit Sachen, die ich noch machen will. Diese Köpfe zu erschaffen, ist wie ein Rausch, in dem auch keine Routine entsteht. Es ist jedes Mal wieder aufregend, weil das Ende immer offen ist." Seitdem habe er auch einen ganz anderen Blick auf Menschen. "Ich sehe sie mir manchmal an der roten Ampel und im Supermarkt verstohlen an und denke mir: Mensch, das wäre doch mal ein Modell."

- Interessierte haben wieder Gelegenheit zur Koswigschen Köpfeschau: Vom 3. bis zum 30. August sind diese in der Bürgergalerie Neumünster zu bestaunen. Dieter Koswig ist erreichbar unter Tel.: 0 48 30/10 20 oder per E-Mail: info@L2skulptur.de



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