
Heide
(ca) Im Streit zwischen den Westküstenkliniken (WKK) Dithmarschen und den Krankenkassen um einen Zuschlag fürs Krankenhaus Brunsbüttel gerät Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) in die Kritik.
"Ich sehe die Gefahr, dass die mehr und mehr überregional aufgestellten Krankenkassen die Bedürfnisse ihrer Mitglieder vor Ort aus den Augen verlieren." Das hatte der Minister am Tag nach dem Scheitern der Verhandlungen zwischen WKK und Kassen erklärt. Außerdem kündigte er an, dass sein Haus nun intensiv prüfen werde, ob die Kassen für das WKK-Brunsbüttel nicht doch einen Sicherstellungszuschlag zahlen müssen.
Das Kieler Ministerium will nun erst einmal die Kosten- und Versorgungssituation analysieren. Einige Unterlagen dazu sind laut Ministeriumssprecher Christian Kohl, eingereicht, weitere von der Klinik angefordert. "Die Dauer der Prüfung, inhaltlich und juristisch, kann nicht vorhergesagt werden. Sie wird aber einige Wochen in Anspruch nehmen", so Kohl.
"Das Land hat selbst maßgeblich zu der schwierigen Finanzsituation des Westküstenklinikums beigetragen, indem es die Krankenhausinvestitionen drastisch zurückgefahren hat - landesweit um einen zweistelligen Millionenbetrag pro Jahr", sagt dagegen Armin Tank, stellvertretender Leiter des Verbandes der Ersatzkassen in Schleswig-Holstein (Vdek).
Das wollte Kohl nicht kommentieren, verwies lediglich auf den WKK-Neubau in Heide. Zurzeit laufen die Arbeiten für den letzten Bauabschnitt. Insgesamt fließen 100 Millionen Euro in die Heider Klinik - Anteil des Landes: 70 Millionen.
Der Eigenanteil des WKK beläuft sich auf 30 Millionen Euro. "Und der muss durch Abschreibungen finanziert werden", sagt WKK-Leiter Harald Stender. "Das heißt ich muss Kredite aufnehmen und die sind Bestandteil der Kosten, die ich aus den Erlösen zu tragen habe, die von den Krankenkassen kommen", so Stender weiter.
Die Kassen argumentierten dagegen so, dass es besser sei, wenn das Land dem WKK die gesamten 100 Millionen Euro zur Verfügung stellen würde. Dann liefen weniger durch Abschreibungen bedingte Kosten auf, so dass Geld über bliebe, dass in die Klinik Brunsbtüttel gesteckt werden könnte.
"Das ist grundsätzlich richtig", sagt Stender. "Aber man muss das ja in Relation zu den Investitionskostenbeiträgen sehen. Und da sieht es in Schleswig-Holstein gut aus. Andere Länder zahlen gar nichts."
Der Vdek sieht indes noch ein anderes Problem, unter dem die Brunsbütteler Klinik leide: die Organisation der ambulanten Notfallversorgung im südlichen Teil Dithmarschens.
So würden viele Patienten die Klinik mit Fällen aufsuchen, die eigentlich in die Anlaufpraxis gehören - also in den Bereich der niedergelassenen Ärzte, sagt Vdek-Mann Tank. Stender sieht dies als Aufforderung, sich das Geld für diese Patienten nicht bei den Kassen, sondern bei den kassenärztlichen Vereinigungen zu holen. "Das kennen wir schon seit Jahren: Wir werden von einer Kirche zur anderen geschickt, um uns Geld zu holen, dass uns keiner gibt."