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Mittwoch, 22. Februar 2012 | Von: Gerhard Wagner

Keine Festlegung auf Westküstenautobahn

Dänemark zögert beim Ausbau der Verkehrsinfrastruktur in Nordschleswig

Kiels Oberbürgermeister Torsten Albig (links) und Dänemarks Verkehrsminister Henrik Dam Kristensen.  Foto: Wagner

Kiels Oberbürgermeister Torsten Albig (links) und Dänemarks Verkehrsminister Henrik Dam Kristensen. Foto: Wagner

Entwicklungsfähige deutsch-dänische Verkehrsachsen - an der Westküste bis Esbjerg, im Zuge der A 7/E 45 bis Kolding und im Osten über den Fehmarnbelt nach Rödby/Lolland.

Entwicklungsfähige deutsch-dänische Verkehrsachsen - an der Westküste bis Esbjerg, im Zuge der A 7/E 45 bis Kolding und im Osten über den Fehmarnbelt nach Rödby/Lolland.

Sonderburg

- Die Westküste bleibt auch in Dänemark. in verkehrstechnischer Hinsicht das Sorgenkind der wirtschaftlichen Entwicklung.

Der dänische Verkehrsminister Henrik Dam Kristensen (Sozialdemokraten) verwies auf leere Staatskassen, die einem schnellen Ausbau der Verlängerung der deutschen Bundesstraße 5 auf dänischer Seite entgegenstehen. Dies betrifft auch unmittelbar die Projekte A 20 und B 5 auf deutscher Seite.

Während einer Tagung dänischer und schleswig-holsteinischer Sozialdemokraten in Sonderburg vermied Kristensen jedwede Festlegung, die über den beschlossenen Bau der festen Fehmarnbeltquerung zwischen Rödby und Puttgarden hinausgeht. Erst die neu geschaffene dänische Verkehrskommission soll 2013 auf Basis wissenschaftlicher Untersuchungen Vorschläge für eine bessere Verknüpfung der Region beiderseits der deutsch-dänischen Grenze erarbeiten. Bis dahin bleibt alles offen. Der dänische Verkehrsminister setzt im Übrigen auf eine stärkere private Finanzierung von Projekten, die über eine Nutzermaut refinanziert werden sollen. Interessant sind für ihn dabei vor allem die gut gefüllten Kassen der dänischen Rentenversicherung.

Wenn überhaupt dürfte dabei dem Ausbau der A 7 - in Dänemark Europastraße 45 - Vorrang zukommen. Kristensen bezeichnete diese Strecke als Flaschenhals, der die wirtschaftliche Entwicklung hemme. "Die dänische Exportwirtschaft in Südjütland und auf Fünen ist dringend auf gute Verkehrswege angewiesen, um ihre Produkte auf kluge Art und Weise nach Süden zu transportieren." Sowohl dänische als auch deutsche Sozialdemokraten erinnerten demgegenüber an die zumindest autobahnähnliche Anbindung Esbjergs an die deutsche A 23 bis Heide. Ohne diese werde es keine Notwendigkeit geben, die A 20 nördlich Hamburg zu bauen und die Elbe zu untertunneln.

Zweifel kamen von deutscher Seite am wirtschaftlichen Erfolg der festen Fehmarnbeltquerung auf. Kiels Oberbürgermeister Torsten Albig verwies auf die schlechte Hinterlandanbindung: "Was bringt ein Tunnel, wenn die Fehmarnsundbrücke bei Wind nicht richtig befahren werden kann?"

Noch schwieriger als die Verbesserung der Straßenvernetzung gestaltet sich der Schienenverkehr. Gegen eine Verlagerung von mehr Verkehr auf die Schiene spricht das verschlissene Signalsystem der dänischen Staatsbahn. Darüber hinaus machen unterschiedliche technische Systeme Lokomotivwechsel an der Grenze erforderlich. Einer Hochgeschwindigkeitstrasse zwischen Hamburg und Aarhus steht der Nord-Ostsee-Kanal als Hindernis im Weg. Er müsste aufwendig untertunnelt werden. Anders als die deutschen Sozialdemokraten sehen die Dänen große Chancen beim Einsatz von Riesenlastwagen, in Dänemark Modulfahrzeuge genannt. Diese würden mehr Transportkapazität bei weniger Fahraufkommen sicherstellen und somit dem Umweltschutz dienen.

 


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