

Welche Machart ist die beste? Drei verschiedene Probesteine haben die Schüler aus Beton gegossen, mal viel, mal wenig Wasser verwendet. In drei Wochen kommen die Proben auf den Prüfstand. Fotos: Groll

Nils Ufen
Meldorf
- Gewöhnlich sind Jungs in diesem Alter eher mundfaul und zurückhaltend. Nicht so die 13- bis 15-jährigen Schüler des Wahlpflichtunterrichts (WPU) Technik an der Gemeinschaftsschule. Sie sind Feuer und Flamme für ihr nächstes Projekt: Bänke wollen sie bauen für ihren neu gestalteten Schulhof.
Die wetterfesten Sitzmöbel werden in der Bauabteilung des Berufsbildungszentrums (BBZ) Meldorf entstehen, wo dieser Wahlpflichtkursus stattfindet, dank einer Kooperation, die Modellcharakter hat. Das BBZ stellt nämlich nicht nur seine Räumlichkeiten samt breit gefächerter technischer Ausrüstung zur Verfügung, sondern auch Fachlehrer. Der zunehmende Mangel an Technikern habe die BBZ-Leitung zu dieser Kooperation mit einer allgemeinbildenden Schule bewogen, sagt Jens Mißfeldt, pädagogischer Leiter des BBZ Meldorf. Das investiert in das Pilotprojekt Berufsschullehrerstunden. Die Gemeinschaftsschule stellt im Gegenzug einen Mathelehrer für Unterricht in den Berufsfachschulklassen ab. In diesem Sommer beginnt zum dritten Mal für eine Gruppe aus der 7. Jahrgangsstufe WPU im BBZ. 2013/14 kommt eine vierte hinzu, so dass dann vier WPU parallel laufen. Jede Gruppe bleibt bis zur Mittleren Reife dabei, das macht ab 2013 unter dem Strich 16 Wochenstunden im gegenseitigen Austausch. "Das ist sehr zwar mit einigem Aufwand verbunden", sagt Mißfeldt. "Aber wir hoffen, so wieder mehr junge Leuten für technische Berufen zu gewinnen."
Offensichtlich mit Erfolg: "Der Unterricht hier macht großen Spaß", sagt Yves Kröger. "Wir haben schon tolle Sachen gemacht, mit denen man auch etwas anfangen kann, zum Beispiel eine Uhr, Pfeifen oder einen kleinen Schrank, in den wir eine Uhr eingebaut haben."
Seit dem siebten Schuljahr haben die zwölf Jungen - maximal 16 Plätze pro Jahrgang stehen zur Verfügung - einmal in der Woche WPU im BBZ. Dabei machen sie pro Schulhalbjahr Bekanntschaft mit jeweils einem anderen technisch-handwerklichen Berufszweig: Metall, Elektro, Holz und jetzt Bautechnik. Für diejenigen, die jetzt schon wissen, was sie einmal werden wollen, spielen die Erfahrungen im BBZ noch eine untergeordnete Rolle. Pascal Hargens will etwas mit Holz machen, so wie sein Vater, der Zimmermann ist. Simon Frantz nimmt sich ebenfalls ein Beispiel an seinem Vater und will Tischler werden. Lars Bojens hilft häufig in der Landwirtschaft, weshalb sein Interesse der Landmaschinentechnik gilt. Auch Levin Jonetat findet die Arbeit mit Holz toll, hat sich aber noch nicht für eine bestimmte Richtung entschieden.
Zurück zum neuen WPU-Projekt: "Vorige Woche haben wir Betonklötze hergestellt, gestampft und gerüttelt, mal mit viel Wasser, mal mit wenig", berichtet Patric Claussen. "Wir sollen herausfinden, wie sich das Material verhält, wie das mit dem Wassernennwert und der Druckfestigkeit ist." Gelernt wird in Gruppen. Ziel von WPU ist nämlich nicht nur das fachliche Lernen. WPU soll auch "einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung sozialer, kommunikativer und methodischer Kompetenzen leisten, vor allem durch die Verbindung selbständigen und kooperativen Lernens", steht in den Richtlinien. Das mag eine Erklärung für die unerwartete Offenheit der Schüler sein.
Und sicher auch für die "große Lernbereitschaft", die Jens Ufen, Bautechniker, Zimmermann und zurzeit Berufsschullehrer-Anwärter, festgestellt hat. Der Neuenkirchener ist begeistert von der Klasse. Schon die erste Stunden mit den Jungen, die bei der Projektplanung von Ideen nur so gesprüht hätten, fand Ufen toll. Dass es um die Schulhofgestaltung gehen sollte, war von vornherein klar. Um sich auf die Sitzgelegenheiten zu einigen, wurden dann sogar "Überstunden" gemacht.Vier Schulstunden ám Stück verbringen die Jungen jede Woche im BBZ
Nach dem Gießen der Probeklötze stehen jetzt noch weitere praktische Vorübungen und ein paar theoretische Grundlagen auf dem Stundenplan. Danach heißt es, sich auf die Gestaltung der Sitzmöbel zu einigen. Dabei will Ufen den Schülern freie Hand lassen. Er ist sich sicher, dass sie das mit Augenmaß machen werden.
In drei Wochen kommen aber erst einmal die Probeklötze im Baulabor des BBZ auf den Prüfstand. Nach erstem Augenschein haben sich die Schüler schon die "richtige Mischung" für ihre Schulhofbänke ausgeguckt. Der Drucktest im Labor wird zeigen, ob sie Recht haben.