

Malerin Elisabeth Massalme (rechts) hält ein Bild in ihren Händen, während Ursula Stolley einen getöpferten Krug trägt. Die "Künstler-Residenz", die nach einer Idee von Massalme entstehen soll, soll kein Altenheim sein. Es gehe darum, sich aktiv einzubringen und gemeinsam zu arbeiten. Foto: Geschke
Marnerdeich
- Die international bekannte Künstlerin Elisabeth Massalme ist wieder zurück. Sie lebte viele Jahre in Frankreich, Syrien und zuletzt in Berlin. Doch ab März will sie alle Zelte in der Bundeshauptstadt komplett abbrechen und in Dithmarschen eine Künstler-Residenz ins Leben rufen.
Seit vier Jahren lebte und wirkte die Malerin und Restauratorin wieder in Berlin, wo sie sich auf das Leben der Großstadt einließ. Schon während dieser Zeit hat sie ihre Kontakte nach Dithmarschen wieder intensiviert und sich auch hier einen Kundenstamm aufgebaut. "Finanziell dürfte ich den Schritt von Berlin nach Dithmarschen nicht machen", erzählt die 62-Jährige. Zumal sie dort demnächst eine Auswahl ihrer Bilder als Wanderausstellung in verschiedenen Berliner Kirche gezeigt wird. Und auch als Restauratorin ist sie in der drei Millionen Einwohner zählenden Stadt gut gefragt, denn als Künstlerin kann sie mehr als nur restaurieren. "Ich kann den Arbeiten, wenn es notwendig ist, noch eine künstlerischen Note geben", erzählt sie.
Und dennoch macht sie jetzt den Schritt zurück an die Westküste. "Das ist ein großer Sprung von der Westküste nach Berlin oder auch zurück." So pulsiert in Berlin das Leben, die Straßen sind voll, Menschen aller Kulturen und Länder begegnen sich. Das Angebot an Kunst und Kultur ist riesig. Diese Impulse hat die 62-Jährige viele Jahre aufgenommen. "Die Stadt hat mich geprägt und ich habe mich formen lassen", blickt sie zurück. Doch Dithmarschen sei ihre Heimat. "Der Wind, die Erde, der Geruch und die Leute auf der Straße, die mich ansprechen und freuen, dass ich wieder hier bin. Das ist Heimat."
Warum sie gerade jetzt wieder nach Dithmarschen zurückkehrt, hat sich in den vergangenen vier Jahren entwickelt. "Ich habe mich gefragt, wo ich im Alter leben will und bin zu dem Schluss gekommen, dass es hier sein soll. Die Großstadt ist mir zu anonym." Nun will Massalme aber nicht einfach ein Haus oder eine Wohnung kaufen. "Ich möchte eine Wohngemeinschaft für Künstler gründen, in der jeder seine Wohnung hat, aber es ein großes Atelier für alle geben soll", beschreibt sie ihre Idee. Neben Massalme gehört auch Ursula Stolley, die gelernte Töpferin ist, dazu. Wie Massalme sagte, können noch weitere interessierte Künstler dazu stoßen, die mehr gemeinsam als allein leben und arbeiten möchten. Zurzeit hat Massalme drei Interessierte, die sich auch finanziell in das Projekt einbringen - eine Voraussetzung, um dabei sein zu können. Aber die Chemie müsse natürlich auch stimmen, wie die Künstlerin zugibt. Zurzeit sucht sie noch eine passende Immobilie, die sich im Raum zwischen Burg, Meldorf, Brunsbüttel und Marne befinden soll. Ihr schwebt vor, dass die Beteiligten einen Hof oder ein Haus mit mehreren Wohnungen erwerben, in denen jeder seine eigene Unterkunft haben soll. Das Gemeinschaftsatelier soll aber mehr sein, als ein Arbeitszimmer. "Dort sollen auch Ausstellungen, Lesungen oder Konzert stattfinden", beschreibt sie das Spektrum von möglichen Veranstaltungen.
Durch diese Künstler-Residenz, die auch ein kulturelles Zentrum werden soll, will Massalme die Vorteile einer Wohngemeinschaft auch für andere Künstler möglich machen. "Gemeinsam zu arbeiten, bedeutet oft auch eine gegenseitige Inspiration", erhofft sich Massalme einen spannenden und belebenden Effekt. Ganz praktisch gehe es aber auch um Hilfe im Alltag, wenn mal jemand krank werde oder anderweitig Unterstützung brauche. Und weil sie sich ganz auf diese neue Sache eingelassen hat, schließt sie ihr Kunstatelier mit Porzellanklinik in Berlin und ist ab 1. März mit ihrer Porzellan- und Restaurationsklinik in der Norderstraße 20 in Marnerdeich zu finden. Dort wird Ursula Stolley ab sofort dienstags und donnerstags von 15 bis 19 Uhr Porzellan, Fayancen, Ton oder auch Bilder annehmen.
- Für Interessierte an der Künstler-Residenz ist Elisabeth Massalme unter der Rufnummer Tel.: 01 70/4 55 97 53 zu erreichen.