

Die erste Leiterin der Landkinderstube Marlene Ehlers-Burhenne (rechts) und Kita-Beauftragte Heinke Nagel im verwaisten Raum im Gemeindehaus. Die Kinderbetreuung wurde nach 41 Jahren eingestellt. Fotos: Geschke
- Die Landkinderstube, wie sie vor 41 Jahren gegründet wurde, existiert nicht mehr. Die letzten 17 Kinder haben die Einrichtung im Gemeindehaus in Marne mit den Sommerferien verlassen - weil die Einrichtung künftig keine Betriebserlaubnis mehr bekommen hätte.
Ganz still und leise ist sie von der Bildfläche verschwunden - die Landkinderstube, in der es keine "Vollversorgung" bei der Kinderbetreuung gab, sondern diese nur an drei Tagen gewährleistet wurde.
Dabei war die Landkinderstube eine Erfolgsgeschichte. Die erste Leiterin der Einrichtung, Marlene Ehlers-Burhenne, erinnert sich. "Als ich 1970 anfing, waren wir erst im Jugendheim, dem heutigen Haus der Jugend untergebracht." Es war der Beginn der Kinderspielstuben, wie sie in vielen Orten wie Pilze aus dem Boden schossen. Diese Spielstuben waren der Beginn der "Kinderbetreuung außer Haus".
Das Haus der Jugend wurde damals ausgewählt, weil es mehr Platz bot als das alte Pastorat. "Dort gab es nur einen einzigen Gruppenraum, und der war im ersten Stock", sagte Pastor Jochen Hose. Auch das Haus der Jugend war bald nicht mehr groß genug - so rasant entwickelte sich die Einrichtung. "Unser Angebot wurde von den Müttern gerne angenommen, weil sie dann mal Zeit zum Einkaufen hatten oder sich um andere Dinge kümmern konnten", erzählte Ehlers-Burhenne. Und so drängelten sich die Kinder im Haus der Jugend, bis der Neubau des Gemeindehauses an der Österstraße 16 fertig war. Das war 1975.
Außer der Landkinderstube gab es kaum Platz für anderes. "Ich hatte alle vier Räumen genutzt. um die bis zu 230 Kinder in der Woche zu betreuen", erinnerte sich Ehlers-Burhenne. Die Kinder kamen aber im Vergleich zum Kindergarten nur an bis zu drei Tagen für je zweieinhalb Stunden in die Einrichtung. Damals hatte Marlene Ehlers-Burhenne 16 Mitarbeiter, die stundenweise oder auch tageweise arbeiteten. Für die verschiedenen Gruppen gab es eine Trennung nach Alter: von den kleinen, über die mittleren bis zu den Vorschulkindern.
Doch im Laufe der Zeit wandelten sich die Wünsche der Eltern - die Spielstuben gerieten in den Hintergrund. Die Kindergärten wurden stärker nachgefragt, auch weil sie eine Betreuung von vier Stunden täglich und das an fünf Tagen in der Woche anbieten.
Und so schrumpfte die Landkinderstube in den vergangenen zehn Jahren immer weiter. Die Mutter-Kind-Gruppen, die in den 1980er-Jahren dazukamen, dagegen steigerten ihre Zahlen und befinden sich heute auf einem konstanten Niveau. Derzeit würden 60 Kinder in den Gruppen betreut.
Für die Landkinderstube aber wurde es immer enger. "Bei einer Begehung 2008 mit der zuständigen Mitarbeiterin des Kreises wurde uns ein Moratorium angeboten. Wir dürfen die Landkinderstube so lange weiter betreiben, bis die dritte Kindertagesstätte fertig ist", erläuterte Hose. Nachdem vor zwei Jahren schon die beiden letzten Gruppen zu einer zusammengelegt worden waren, näherte sich nun das Ende, denn der Neubau an der Klaus-Groth-Straße ist fast fertig. "Uns wurde vom Kreis unmissverständlich klar gemacht, dass die Betriebserlaubnis für die Landkinderstube nicht verlängert wird", sagte Heinke Nagel, Kindertagesstättenbeauftragte der Kirchengemeinde Marne.
Gerüchten zufolge, die Landkinderstube würde geschlossen, um den neuen Kindergarten zu füllen, weisen beide zurück. "Es ist anders herum. Weil wir den neuen Kindergarten bekommen, müssen wie die Landkinderstube schließen", betonte Pastor Jochen Hose, der auch Vorsitzender des Kirchenvorstandes ist. Das habe auch mit den veränderten Vorschrifte zu tun. Neben vielen kleinen Dingen seien es vor allem die sanitären Einrichtungen, die nicht mehr zeitgemäß seien.
Mit der Schließung der Einrichtung sind auch die Zeitverträge für zwei der drei Mitarbeiter nicht verlängert worden. Einzig Gaby Paulsen, die auch Gemeindesekretärin ist, wird künftig bei der Kirche weiter beschäftigt.
Eine Alternative zur Fünf-Tage-Betreuung, wie sie die Landkinderstube bot, gibt es nicht. "Wir haben das in der Kita Sonnenstrahl angeboten, aber es wurde nicht angenommen", sagte Nagel. Das Problem dabei: die dreitägige Betreuung wird finanziell nicht gefördert, sodass ein solcher Platz sogar teurer ist, als eine fünftägige Betreuung.
Was mit dem Inventar und auch dem Raum im Gemeindehaus passieren wird, steht noch nicht fest. "Wir werden dort wohl Konfirmandenunterricht machen", so Hose. Für die Mutter-Kind-Gruppen sei der Raum zu klein. Diese bleiben auch in Zukunft bestehen. Wie Pastor Jochen Hose betonte, soll der Begriff Landkinderstube auch erhalten bleiben, unter dem sich künftig dann nur noch die Mutter-Kind-Gruppen wiederfinden.
Von: Reinhard Geschke