

Messe 2003: Bürgervorsteherin Rita Audiger sitzt in einem der ausgestellten Autos Probe. Im Hintergrund der ehemalige HGI-Chef Henry Boll (Mitte) und Kreispräsident Karsten Peters. Fotos: Reh (2), Behrendt

Vor neun Jahren fand die Messe auf der Festwiese am LUV statt (linkes Foto). Für 2013 ist das Grundstück von Stiftung Mensch als Veranstaltungsort im Gespräch.

Brunsbüttel
- Die Absage der für Mai geplanten Messe des Vereins für Handel, Gewerbe und Industrie (HGI) in Brunsbüttel hat bei heimischen Geschäftsleuten unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. Während einige Einzelhändler bedauern, dass es nicht genügend Anmeldungen gab, und die Veranstaltung somit geplatzt ist, halten andere eine Messe ohnehin nicht mehr für zeitgemäß. Sie habe ihren ursprünglichen Stellenwert verloren.
"Es ist bundesweit ein deutlicher Trend zu erkennen, dass die Zahl der Messen abnimmt", sagt HGI-Chef Wolfgang Pfeffer gegenüber unserer Zeitung. Im Zeitalter des Internets hätten die meisten Kunden andere Möglichkeiten, sich über neue Produkte zu informieren. Das sieht auch Horst Franzenburg vom Herrenmodegeschäft Reese so: "Messen sind heutzutage nicht mehr stark gefragt - zumal der Kostenaufwand für die Beteiligten sehr groß ist." Das Modehaus Reese gehörte zwar zu den knapp über 30 Geschäften, die sich für die Messe angemeldet hatten, aber "man ist auch nicht böse", dass die Veranstaltung ersatzlos gestrichen wurde. "Wir hätten lieber noch einen zusätzlichen verkaufsoffenen Sonntag." Der lohne sich für die meisten Geschäfte weitaus mehr.
Dem kann sich Karin Kerscher vom Kindermodegeschäft Lollipop nur anschließen: "Wir hätten zwar mitgemacht, aber auch nur, weil das unsere Kunden von uns erwarten. Gerade wir kleineren Läden müssen uns rühren. Aber ein verkaufsoffener Sonntag bringt uns mehr." Kerscher hat noch einen anderen Vorschlag: "Vielleicht wäre es effektiver, wenn die Koogstraße attraktiver gestaltet würde." Die Hauseigentümer sollten beispielsweise etwas an den Gebäuden tun und für eine ansprechendere Außengestaltung sorgen. Dann würde den Kunden das Flanieren in der Koogstraße noch viel mehr Spaß machen.
Im Autohaus Rau nimmt man die Absage der Messe gelassen auf: Dort wäre man zwar gern dabei gewesen, hatte aber auf eine Anmeldung verzichtet. "Uns war die Standgebühr einfach zu hoch. Das haben wir dem HGI als Veranstalter auch geschrieben - und keine Antwort erhalten", erklärt Geschäftsführer Kay Oelkers. Ansonsten sei es gerade für ein Autohaus von großer Bedeutung, die neuesten Modelle auf einer geeigneten Fläche präsentieren zu können. "Jetzt müssen wir uns eben ein Plätzchen in der Stadt suchen, wo wir unsere Autos zeigen können", sagt Oelkers.
Etwas enttäuscht ist man im Autohaus Eskildsen, dass die Messe ins Wasser fällt: "Wir hatten uns verbindlich angemeldet", sagt Ralf Dühring und ergänzt: "So viel Platz wie auf einer Messe hat man sonst gewöhnlich an anderen Stellen im Stadtgebiet nicht."
Für einen Laden wie das Wein- und Feinkostgeschäft "la petite maison" hätte sich die Teilnahme an der Messe nicht rentiert: "Die Kosten sind einfach zu hoch, kleinere Geschäfte können sich das nicht leisten", sagt Marion Schmid. Auch ihr würde ein verkaufsoffener Sonntag besser passen: "Da können sich die Kunden in aller Ruhe unser Sortiment anschauen."
Der HGI hat die Messe abgesagt, weil zu wenig Anmeldungen vorlagen. Der Verein hätte ein zu großes finanzielles Risiko tragen müssen. "Es wird auch keine Ersatzveranstaltung in diesem Jahr geben", betont Pfeffer, der bei der Jahresversammlung des Gewerbevereins am 12. März übrigens nicht wieder als Vorsitzender kandidieren will. "Vielleicht werden wir mit einem neuen Vorstand prüfen, ob man 2013 nicht eine kleinere Messe bei Stiftung Mensch auf die Beine stellen kann", sagt HGI-Beirat Dietrich Wienecke (Buchhandlung Schopf). Stiftungs-Vorstand Dorothee Hunfeld sei der Idee gegenüber "sehr aufgeschlossen".