

Michael Beall und Annegret Holle aus Kleve bangen um das Leben ihres Katers "Little Joe", der angeblich von einem Jäger angeschossen worden ist. Foto: Schütze
Kleve (js) Annegret Holle ringt sichtlich um Fassung: Ihr Kater "Little Joe" ist Pfingstsonntag angeschossen und lebensgefährlich verletzt worden. Die Ärzte in der Tierklinik Stechmann-Seidel in Rendsburg räumen dem Tier nur eine geringe Überlebenschance ein.
Mit diesem Ereignis ist für die gerade erst nach Kleve gezogene Frau die ländliche Idylle jäh zerstört worden. Erst seit zwei Monaten wohnt sie mit ihrem Lebensgefährten Michael Beall in der kleinen Geestgemeinde. Sie haben sich in einem Resthof am Ortsrand einquartiert - mit Katzen und zwei Pferden. "Natürlich ist uns bewusst, dass auch hier Jäger ihr Handwerk ausüben. Doch um diese Jahreszeit haben wir nicht damit gerechnet", so Beall, der selbst in Amerika einen Jagdschein besaß. "Ich habe ihn in Deutschland sofort abgegeben. Hier ist für mich das Schießen zu gefährlich, denn die Räume sind oftmals zu eng."
Was hat sich am Pfingstsonntag ereignet? Annegret Holle hat sich mit ihrer Reitlehrerin auf dem Reitplatz unmittelbar hinter ihrem Anwesen aufgehalten. "Ich sah einen Radfahrer in Tarnkleidung, begleitet von einem Jagdhund, an uns vorbeifahren. Mich beschlich sofort ein ungutes Gefühl, zumal hier ein Jäger dafür bekannt ist, dass er öfters auf Katzen schießt", erzählt Annegret Holle. Eine Stunde später dann die traurige Gewissheit: Ihr zweieinhalb Jahre alter Kater "Little Joe" machte mit heftigen Schmerzlauten auf sich aufmerksam. "Das Tier hatte sich mit letzter Kraft instinktiv nach Hause geschleppt. Wir erkannten sofort das gebrochene Bein und sind unverzüglich nach Heide zum Tierarzt gefahren", schildert die Besitzerin.
Durch Röntgenaufnahmen wurden weitere Verletzungen sichtbar: Hasen-Schrotkugeln im ganzen Leib, im verletzten Bein und in der Blase. "Unser Tier wurde offensichtlich von vorn angeschossen. Für mich ein Indiz dafür, dass "Little Joe" zutraulich auf den Schützen zugegangen ist, und nicht als wilderndes Tier auf der Flucht war", sagt Michael Beall.
In der Tierklinik Rendsburg wurde "Little Joe" am Dienstag operiert. "Die Diagnose der Ärzte ist für uns niederschmetternd. Nerven in der Blase sind verletzt, so dass unser Kater kein Wasser lassen kann. Wir müssen wohl mit dem Schlimmsten rechnen", sagt Annegret Holle.
Für beide Tierliebhaber sind die Kosten der Operation in Höhe von 450 Euro empfindlich. Doch die Tatsache, dass ein Mensch so gefühllos ist, ein zutrauliches Haustier töten zu wollen, wiegt für sie schwerer. "Wir hatten eigentlich eine positive Einstellung zur Jagd. Doch sollte sie von Berufsjägern ausgeübt werden und nicht von "schwarzen Schafen" und gewissenlosen Schützen", klagen beide Klever an.
Axel Clausen, Vorsitzender der Kreisjägerschaft, hatte von dem Vorfall noch nichts gehört. "Die Jägerschaft steht aber voll hinter der gesetzlichen Regelung, dass streunende Tiere erst in 200 Meter Entfernung einer Siedlung geschossen werden dürfen. Zur Prüfung dieses Falles muss es seinen behördlichen Gang nehmen", sagt Axel Clausen. Annegret Holle wird hat bei der zuständigen Polizeibehörde Anzeige gegen Unbekannt erstatten.